Nahrungsergänzungsmittel: ausgewählte Nährstoffe und Pflanzenstoffe im Überblick

Eine abwechslungsreiche und ausgewogene Ernährung liefert dem Körper Vitamine, Mineralstoffe, Fettsäuren und zahlreiche sekundäre Pflanzenstoffe. Gemüse, Obst, Nüsse, Samen, hochwertige Pflanzenöle sowie Kräuter und Gewürze spielen dabei eine wichtige Rolle.

Nahrungsergänzungsmittel können die Ernährung gezielt ergänzen, vor allem in gesundheitlich beanspruchten Zeiten. Sie sind jedoch kein Ersatz für eine ausgewogene Ernährung und sollten insbesondere bei Erkrankungen oder während einer medikamentösen Behandlung nicht unkritisch eingenommen werden.

Gerade bei konzentrierten Pflanzenextrakten und hoch dosierten Nährstoffen gilt: Eine höhere Dosierung bedeutet nicht automatisch einen größeren gesundheitlichen Nutzen.

Im Folgenden stellen wir einige ausgewählte Nährstoffe und Pflanzenstoffe näher vor.

Tocotrienole – besondere Formen des Vitamin E

Unter dem Begriff Vitamin E wird eine Gruppe fettlöslicher Verbindungen zusammengefasst. Dazu gehören Tocopherole und Tocotrienole.

Vitamin E trägt dazu bei, die Zellen vor oxidativem Stress zu schützen *. Tocotrienole unterscheiden sich strukturell von Tocopherolen und sind seit vielen Jahren Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen.

Das Wichtigste im Überblick

  • Tocotrienole gehören zur Vitamin-E-Familie.
  • Man unterscheidet verschiedene Formen, darunter Alpha-, Beta-, Gamma- und Delta-Tocotrienol.
  • Natürliche Tocotrienole kommen unter anderem in bestimmten Pflanzenölen sowie in Reiskleie und Annatto vor.
  • In Nahrungsergänzungsmitteln werden Tocotrienole häufig in Form standardisierter Pflanzenextrakte eingesetzt.
  • Entscheidend sind Zusammensetzung, Herkunft und Qualität des verwendeten Rohstoffs.

Tocotrienole und Forschung

Tocotrienole sind aufgrund ihrer besonderen Struktur und ihrer biologischen Eigenschaften seit vielen Jahren Gegenstand wissenschaftlicher Forschung. Untersucht werden dabei unter anderem ihre antioxidativen und entzündungsbezogenen Eigenschaften sowie ihr Einfluss auf verschiedene zelluläre Signalwege.

Auch in der Krebsforschung sind Tocotrienole von Interesse. In experimentellen Untersuchungen wurden unter anderem Zusammenhänge mit der Regulation von Zellteilung, programmiertem Zelltod (Apoptose) und weiteren Prozessen des Zellstoffwechsels untersucht. Die bisherige Forschung umfasst vor allem präklinische Untersuchungen; daneben liegen auch erste Humanstudien vor. Damit stellen Tocotrienole ein interessantes Forschungsgebiet innerhalb der Vitamin-E-Familie dar.

Curcumin – Pflanzenstoff aus der Kurkumawurzel

Kurkuma (Curcuma longa) wird seit Jahrhunderten als Gewürz verwendet und ist besonders aus der asiatischen Küche bekannt. Die charakteristische gelbe Farbe stammt von den sogenannten Curcuminoiden. Der bekannteste Vertreter dieser Stoffgruppe ist Curcumin.

Das Wichtigste im Überblick

  • Curcumin ist ein natürlicher Pflanzenstoff aus der Kurkumawurzel.
  • Es gehört zur Gruppe der Polyphenole.
  • Kurkuma enthält neben Curcumin weitere Curcuminoide und zahlreiche natürliche Pflanzenbestandteile.
  • Die Aufnahme von Curcumin aus gewöhnlichem Kurkumapulver ist begrenzt.
  • Nahrungsergänzungsmittel enthalten deshalb teilweise konzentrierte oder speziell formulierte Kurkuma- bzw. Curcuminextrakte.

Curcumin und Forschung

Curcumin zählt zu den besonders intensiv erforschten sekundären Pflanzenstoffen. Wissenschaftler beschäftigen sich unter anderem mit seinen antioxidativen und entzündungsbezogenen Eigenschaften sowie mit seinem Einfluss auf unterschiedliche Signalwege und Prozesse innerhalb von Zellen.

Auch in der Krebsforschung wird Curcumin seit vielen Jahren untersucht. Gegenstand der Forschung sind beispielsweise Prozesse der Zellteilung, des programmierten Zelltods (Apoptose), des Zellstoffwechsels sowie verschiedene Signalwege, die bei der Entstehung und Entwicklung von Tumoren eine Rolle spielen. Neben zahlreichen Labor- und Tierstudien existieren inzwischen auch klinische Untersuchungen am Menschen. Die wissenschaftliche Bewertung hängt dabei wesentlich von Einsatzgebiet, Dosierung und verwendeter Curcumin-Formulierung ab.

Bei Curcumin-Präparaten beachten

Konzentrierte Extrakte sind nicht mit der Verwendung von Kurkuma als Gewürz gleichzusetzen. Bei Nahrungsergänzungsmitteln sollte deshalb insbesondere auf folgende Punkte geachtet werden:

  • angegebener Curcumin- bzw. Curcuminoidgehalt
  • empfohlene tägliche Verzehrmenge
  • Zusammensetzung des Extrakts
  • zusätzliche Inhaltsstoffe zur Veränderung der Bioverfügbarkeit
  • mögliche Wechselwirkungen mit Arzneimitteln

Polyphenole – die Vielfalt sekundärer Pflanzenstoffe

Polyphenole bilden eine große und vielfältige Gruppe sekundärer Pflanzenstoffe. Pflanzen bilden diese Substanzen unter anderem als Farb-, Aroma- und Schutzstoffe. Entsprechend kommen Polyphenole in zahlreichen Gemüse- und Obstsorten, Kräutern, Gewürzen, Nüssen sowie Tee und anderen pflanzlichen Lebensmitteln vor.

Zu den Polyphenolen gehören verschiedene Untergruppen und Einzelsubstanzen, die sich hinsichtlich ihrer Struktur und ihrer biologischen Eigenschaften teilweise deutlich unterscheiden.

Bekannte Polyphenole und ihre natürlichen Quellen

  • Anthocyane: Blaubeeren, Brombeeren, Himbeeren, Cranberrys, Granatapfel, Rotkohl und rote Zwiebeln
  • Curcumin: Kurkuma
  • Resveratrol: vor allem Weintrauben und verschiedene Beeren
  • Catechine: insbesondere grüner und schwarzer Tee
  • Quercetin: unter anderem Zwiebeln, Äpfel und Kapern

Eine abwechslungsreiche pflanzenbetonte Ernährung bietet den Vorteil, dass nicht nur einzelne Polyphenole, sondern zahlreiche unterschiedliche Pflanzenstoffe gemeinsam aufgenommen werden.

Polyphenole im Fokus der Forschung

Polyphenole gehören zu den intensiv untersuchten sekundären Pflanzenstoffen. Im Mittelpunkt stehen unter anderem ihre antioxidativen Eigenschaften sowie ihre Wechselwirkungen mit unterschiedlichen Enzymen, Rezeptoren und zellulären Signalwegen.

Auch in der Krebsforschung beschäftigen sich zahlreiche experimentelle Arbeiten mit Polyphenolen. Untersucht werden beispielsweise mögliche Einflüsse auf:

  • zelluläre Signalwege
  • Zellteilung und Zellzyklus
  • programmierten Zelltod (Apoptose)
  • Entzündungsprozesse
  • oxidativen Stress
  • Energiestoffwechsel von Zellen
  • Prozesse der Gefäßneubildung
  • Mechanismen, die bei Zellmigration und Metastasierung eine Rolle spielen

Besonderes wissenschaftliches Interesse gilt dabei unter anderem Curcumin, Resveratrol, Quercetin, Anthocyanen und Catechinen aus grünem Tee.

Ein weiterer Forschungsansatz beschäftigt sich mit der Kombination verschiedener Polyphenole. Pflanzen enthalten natürlicherweise komplexe Gemische zahlreicher bioaktiver Substanzen. Wissenschaftler untersuchen daher nicht nur einzelne isolierte Verbindungen, sondern zunehmend auch mögliche Wechselwirkungen verschiedener Pflanzenstoffe.

Viele Erkenntnisse zu diesen Mechanismen stammen bislang aus experimentellen Untersuchungen. Welche Bedeutung einzelne Polyphenole und ihre Kombinationen beim Menschen haben, ist Gegenstand weiterer Forschung.

Lebensmittel und konzentrierte Pflanzenextrakte

Polyphenole können sowohl über Lebensmittel als auch in konzentrierter Form über Pflanzenextrakte aufgenommen werden. Dabei bestehen erhebliche Unterschiede:

  • Lebensmittel liefern meist eine Vielzahl verschiedener Pflanzenstoffe gleichzeitig.
  • Pflanzenextrakte können ausgewählte Polyphenole deutlich stärker konzentrieren.
  • Extrakte können auf bestimmte Pflanzenstoffe standardisiert werden.
  • Zusammensetzung und Konzentration können sich von Produkt zu Produkt deutlich unterscheiden.

Bei einem Nahrungsergänzungsmittel lohnt sich deshalb ein Blick darauf, welche Pflanzenextrakte enthalten sind, auf welche Inhaltsstoffe sie standardisiert wurden und welche Menge mit der empfohlenen Tagesportion aufgenommen wird.

Bei gleichzeitiger Einnahme von Medikamenten oder während einer medizinischen Behandlung sollten insbesondere hoch konzentrierte Pflanzenextrakte mit dem behandelnden Arzt oder Apotheker abgestimmt werden.

Vitamin D und Vitamin K

Vitamin D nimmt unter den Vitaminen eine besondere Stellung ein. Der Körper kann Vitamin D mithilfe von UVB-Strahlung in der Haut selbst bilden. Die normale Ernährung trägt dagegen bei den meisten Menschen nur einen kleineren Teil zur Versorgung bei.

Vitamin D erfüllt wichtige Funktionen

Für Vitamin D sind in der EU verschiedene gesundheitsbezogene Angaben zugelassen **. Vitamin D trägt unter anderem bei zu:

  • einer normalen Funktion des Immunsystems
  • einer normalen Aufnahme und Verwertung von Calcium und Phosphor
  • einem normalen Calciumspiegel im Blut
  • der Erhaltung normaler Knochen
  • der Erhaltung einer normalen Muskelfunktion
  • der Erhaltung normaler Zähne

Außerdem hat Vitamin D eine Funktion bei der Zellteilung.

Vitamin D2 und D3 – wo liegt der Unterschied?

Vitamin D ist ein Sammelbegriff für verschiedene fettlösliche Verbindungen. Für die menschliche Ernährung sind vor allem zwei Formen relevant:

  • Vitamin D2 (Ergocalciferol): kommt vor allem in Pilzen und Hefen vor und wird häufig aus pflanzlichen bzw. pilzbasierten Quellen gewonnen.
  • Vitamin D3 (Cholecalciferol): ist die Form, die der menschliche Körper auch selbst in der Haut unter Einwirkung von UVB-Strahlung bildet. In Lebensmitteln kommt D3 vor allem in tierischen Quellen wie fettreichem Fisch und Eigelb vor. Für Nahrungsergänzungsmittel gibt es mittlerweile außerdem veganes Vitamin D3, beispielsweise aus Flechten.
  • Beide Formen können vom Körper genutzt werden: D2 und D3 werden zunächst in der Leber zu 25-Hydroxyvitamin D umgewandelt. Dieser Wert wird üblicherweise auch zur Beurteilung des Vitamin-D-Status im Blut herangezogen.
  • D3 zeigt bei der Supplementierung Vorteile: Studien und Metaanalysen zeigen, dass Vitamin D3 den 25-Hydroxyvitamin-D-Spiegel im Allgemeinen effektiver bzw. nachhaltiger erhöhen kann als Vitamin D2. Deshalb wird in vielen Nahrungsergänzungsmitteln Vitamin D3 eingesetzt.

Wo kommt Vitamin D vor?

Zu den natürlichen Nahrungsquellen gehören vor allem:

  • fettreiche Fische
  • Eigelb
  • einige Speisepilze

Von besonderer Bedeutung ist jedoch die körpereigene Vitamin-D-Bildung durch Sonnenlicht.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung nennt bei fehlender körpereigener Vitamin-D-Bildung einen Schätzwert von 20 µg Vitamin D pro Tag für Jugendliche und Erwachsene.

Ob eine Supplementierung erforderlich ist, hängt von der individuellen Versorgungssituation ab. Ein Vitamin-D-Mangel lässt sich über die Bestimmung des 25-Hydroxyvitamin-D-Spiegels im Blut beurteilen.

Und Vitamin K?

Vitamin K trägt zu ***

  • einer normalen Blutgerinnung und
  • der Erhaltung normaler Knochen

bei.

Vitamin K kommt in unterschiedlichen Formen vor. Vitamin K1 findet sich vor allem in grünem Gemüse, während verschiedene Formen von Vitamin K2 unter anderem in fermentierten Lebensmitteln vorkommen.

Wichtig: Personen, die bestimmte gerinnungshemmende Medikamente einnehmen, sollten Vitamin-K-haltige Nahrungsergänzungsmittel nur nach ärztlicher Rücksprache verwenden.

Grüner Tee und EGCG

Grüner Tee wird aus den Blättern der Teepflanze Camellia sinensis hergestellt. Zu seinen charakteristischen Pflanzenstoffen gehören die Catechine.

Ein besonders bekanntes Catechin ist Epigallocatechingallat (EGCG).

Das Wichtigste im Überblick

  • EGCG kommt natürlicherweise vor allem in grünem Tee vor.
  • Der Gehalt hängt unter anderem von Teesorte, Anbau, Verarbeitung und Zubereitung ab.
  • Grüner Tee als Getränk ist nicht mit hoch konzentrierten Grünteeextrakten in Nahrungsergänzungsmitteln gleichzusetzen.
  • EGCG und andere Catechine sind Gegenstand zahlreicher wissenschaftlicher Untersuchungen.

Vorsicht bei hoch konzentrierten Grünteeextrakten

Hier ist eine klare Unterscheidung zwischen Grüntee als Getränk und Nahrungsergänzungsmitteln wichtig.

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) bewertet Catechine aus traditionell zubereiteten Grünteeaufgüssen grundsätzlich anders als hoch konzentrierte Extrakte.

Bei Nahrungsergänzungsmitteln wurden hohe EGCG-Aufnahmemengen mit möglichen Leberschädigungen in Verbindung gebracht. Die EFSA stellte fest, dass 800 mg EGCG pro Tag aus Nahrungsergänzungsmitteln mit ersten Anzeichen einer Leberschädigung verbunden sein können.

Bei Grünteeextrakten gilt deshalb besonders: Dosierung und Anwendungshinweise beachten und bei bestehender Erkrankung oder gleichzeitiger Medikamenteneinnahme vor der Einnahme ärztlichen Rat einholen.

Omega-3-Fettsäuren – ALA, EPA und DHA

Omega-3-Fettsäuren gehören zu den mehrfach ungesättigten Fettsäuren und erfüllen unterschiedliche Aufgaben im menschlichen Körper. Die drei bekanntesten Vertreter sind:

  • Alpha-Linolensäure (ALA)
  • Eicosapentaensäure (EPA)
  • Docosahexaensäure (DHA)

ALA ist eine essenzielle Fettsäure und muss über die Nahrung aufgenommen werden. Der menschliche Körper kann ALA in begrenztem Umfang in die längerkettigen Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA umwandeln. Die direkte Aufnahme von EPA und DHA über Lebensmittel oder Nahrungsergänzungsmittel ist deshalb eine weitere Möglichkeit der Versorgung.

Wo kommen Omega-3-Fettsäuren vor?

ALA findet sich vor allem in pflanzlichen Lebensmitteln:

  • Leinöl und Leinsamen
  • Rapsöl
  • Walnüsse und Walnussöl
  • Chiasamen
  • Hanfsamen und Hanföl

EPA und DHA stammen hauptsächlich aus marinen Quellen:

  • Hering
  • Makrele
  • Lachs
  • Sardinen
  • weitere fettreiche Meeresfische
  • Mikroalgen

Interessant ist dabei: Fische bilden die langkettigen Omega-3-Fettsäuren nicht ausschließlich selbst, sondern nehmen sie innerhalb der marinen Nahrungskette auf. Bestimmte Mikroalgen stehen am Anfang dieser Nahrungskette. Algenöl ermöglicht daher eine direkte, fischfreie Quelle für DHA und – je nach Algenart und Produkt – auch EPA.

Anerkannte Funktionen von EPA und DHA

Für EPA und DHA bestehen in der Europäischen Union zugelassene gesundheitsbezogene Angaben, sofern die jeweils vorgeschriebenen Aufnahmemengen erreicht werden.

So tragen:

  • EPA und DHA zu einer normalen Herzfunktion bei.
  • DHA zur Erhaltung einer normalen Gehirnfunktion bei.
  • DHA zur Erhaltung normaler Sehkraft bei.

Für die normale Herzfunktion wird die positive Wirkung bei einer täglichen Aufnahme von 250 mg EPA und DHAerreicht. Bei den zugelassenen Aussagen zu Gehirnfunktion und Sehkraft liegt die erforderliche tägliche Aufnahme bei 250 mg DHA.

Omega-3-Fettsäuren im Fokus der Forschung

Über diese anerkannten Funktionen hinaus werden EPA und DHA in zahlreichen wissenschaftlichen Bereichen untersucht. Ein Schwerpunkt liegt auf ihrer Bedeutung als Bestandteile von Zellmembranen und als Ausgangssubstanzen für verschiedene biologisch aktive Botenstoffe.

Auch in der Onkologie sind Omega-3-Fettsäuren Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen. Forschungsarbeiten beschäftigen sich beispielsweise mit möglichen Zusammenhängen zwischen EPA bzw. DHA und:

  • Entzündungs- und Immunprozessen
  • Zusammensetzung und Funktion von Zellmembranen
  • zellulärem Energiestoffwechsel
  • Ernährungs- und Allgemeinzustand von Patienten
  • Erhalt von Körpergewicht und Muskelmasse
  • verschiedenen Stoffwechselprozessen während einer Erkrankung und Therapie

Insbesondere der Ernährungs- und Muskelstatus ist in der onkologischen Ernährungsmedizin von Interesse, da eine ausreichende Energie- und Nährstoffversorgung während einer Erkrankung eine wichtige Rolle spielen kann.

Daneben beschäftigen sich experimentelle Forschungsarbeiten mit der Frage, wie DHA und EPA bestimmte Prozesse in Tumorzellen beeinflussen können. Untersucht werden unter anderem Veränderungen des Zellstoffwechsels, der Zellmembran und verschiedener Signalwege. Die klinische Bedeutung dieser Forschungsansätze wird weiterhin untersucht.

Fischöl oder Algenöl?

Nahrungsergänzungsmittel enthalten EPA und DHA traditionell häufig in Form von Fischöl. Inzwischen stehen jedoch auch hochwertige Algenöle zur Verfügung.

Fischöl:

  • natürliche Quelle für EPA und DHA
  • je nach Produkt unterschiedliche Konzentrationen
  • Qualität und Oxidationsstabilität sind wichtige Auswahlkriterien

Algenöl:

  • wird aus kultivierten Mikroalgen gewonnen
  • eignet sich auch für eine vegetarische bzw. vegane Ernährung
  • kann hohe Mengen DHA und je nach Produkt auch EPA liefern
  • stellt eine direkte Quelle mariner Omega-3-Fettsäuren ohne Fisch dar

Entscheidend ist daher weniger die Frage „Fisch oder Alge“, sondern vor allem, wie viel EPA und DHA die empfohlene Tagesportion tatsächlich liefert und welche Qualität das verwendete Öl besitzt.

Worauf ist bei Omega-3-Präparaten zu achten?

Beim Vergleich von Produkten lohnt sich ein genauer Blick auf:

  • tatsächlichen EPA- und DHA-Gehalt statt nur auf die Gesamtmenge an Fisch- oder Algenöl
  • empfohlene Tagesportion
  • Herkunft und Reinheit des Öls
  • Schutz vor Oxidation
  • Lagerung und Haltbarkeit
  • bei Algenöl: Verhältnis von DHA und EPA

Bei sehr hohen Dosierungen oder der gleichzeitigen Einnahme bestimmter Medikamente sollte die Einnahme mit einem Arzt oder Apotheker abgestimmt werden.

Probiotika und das Darmmikrobiom

Unser Darm beherbergt eine enorme Gemeinschaft aus Bakterien und anderen Mikroorganismen. Diese sogenannte Darmmikrobiota ist an zahlreichen Vorgängen im Körper beteiligt und steht in enger Wechselwirkung mit Ernährung, Stoffwechsel und Immunsystem.

Besonders interessant ist dabei die Vielfalt der Darmbakterien. Zusammensetzung und Aktivität des Mikrobioms unterscheiden sich von Mensch zu Mensch und werden unter anderem durch Ernährung, Alter, Lebensstil, Medikamente und Umwelteinflüsse geprägt.

Was sind Probiotika?

Als Probiotika werden lebende Mikroorganismen bezeichnet, die in ausreichender Menge aufgenommen werden. Häufig verwendete Mikroorganismen stammen beispielsweise aus den Gruppen der Lactobacillen und Bifidobakterien.

Natürlicherweise finden sich lebende Mikroorganismen insbesondere in fermentierten Lebensmitteln. Dazu gehören beispielsweise:

  • Joghurt und Kefir, frisches Sauerkraut, Kimchi, Miso, weitere fermentierte Lebensmittel

Daneben stehen ausgewählte Bakterienkulturen auch in Form von Nahrungsergänzungsmitteln zur Verfügung.

Ernährung für das Darmmikrobiom

Nicht nur die Aufnahme von Mikroorganismen selbst ist interessant. Ebenso wichtig ist, was den bereits im Darm vorhandenen Bakterien als Nahrung zur Verfügung steht.

Bestimmte Darmbakterien können unverdauliche Nahrungsbestandteile und Ballaststoffe verstoffwechseln. Dabei entstehen unter anderem kurzkettige Fettsäuren wie Acetat, Propionat und Butyrat. Gerade diese Stoffwechselprodukte und ihre Bedeutung für die Darmumgebung sind ein wichtiges Gebiet der aktuellen Mikrobiomforschung.

Eine abwechslungsreiche, ballaststoffreiche Ernährung mit Gemüse, Hülsenfrüchten, Vollkornprodukten, Nüssen und Samen liefert deshalb wichtige Substrate für das Darmmikrobiom.

Probiotika und aktuelle Forschung

Das Mikrobiom gehört mittlerweile zu den dynamischsten Forschungsgebieten der Ernährungs- und Gesundheitswissenschaften. Untersucht werden unter anderem die Beziehungen zwischen Darmbakterien, Darmbarriere, Stoffwechsel und Immunsystem.

Auch in der Onkologie hat das Mikrobiom in den vergangenen Jahren erheblich an wissenschaftlichem Interesse gewonnen. Forschungsarbeiten beschäftigen sich beispielsweise mit der Frage, in welchem Zusammenhang die Zusammensetzung der Darmmikrobiota mit dem Verlauf bestimmter Erkrankungen, dem Ernährungsstatus und dem Ansprechen auf verschiedene Therapien stehen könnte.

Wichtig für die Einordnung ist dabei, dass sich Ergebnisse zu einem bestimmten Bakterienstamm nicht automatisch auf andere Mikroorganismen oder beliebige probiotische Produkte übertragen lassen. Stamm, Zusammensetzung und Menge der enthaltenen Mikroorganismen sind deshalb wesentliche Merkmale eines probiotischen Präparates.

Worauf ist bei Nahrungsergänzungsmitteln zu achten?

Bei einem Probiotikum lohnt sich ein genauer Blick auf die Zusammensetzung:

  • Welche Bakterienarten und -stämme sind enthalten?
  • Wie viele lebensfähige Mikroorganismen enthält die Tagesportion?
  • Sind die verwendeten Stämme eindeutig bezeichnet?
  • Welche Lagerbedingungen sind erforderlich?
  • Ist das Produkt so konzipiert, dass möglichst viele Mikroorganismen ihren vorgesehenen Wirkort erreichen?

Insbesondere während einer medizinischen Behandlung sollte die Verwendung konzentrierter probiotischer Präparate mit dem behandelnden Ärzteteam abgestimmt werden. Dies gilt besonders bei stark geschwächtem Immunsystem.

Nahrungsergänzungsmittel bei Krebs – was grundsätzlich zu beachten ist

Für Menschen mit einer Krebserkrankung ist ein Punkt besonders wichtig: Nahrungsergänzungsmittel sind keine Arzneimittel zur Behandlung von Krebs.

Während einer Chemo-, Strahlen-, Immun-, Antikörper- oder medikamentösen Krebstherapie können Nahrungsergänzungsmittel unter Umständen:

  • die Aufnahme von Arzneimitteln beeinflussen,
  • deren Abbau im Körper verändern,
  • Wirkungen oder Nebenwirkungen beeinflussen oder
  • mit einzelnen Therapieprinzipien interferieren.

Das betrifft insbesondere hoch dosierte oder konzentrierte Präparate.

Deshalb sollten Menschen in onkologischer Behandlung alle Nahrungsergänzungsmittel, Pflanzenextrakte und hoch dosierten Vitamin- oder Mineralstoffpräparate mit ihrem behandelnden Ärzteteam abstimmen.


Fazit

Vitamine, Fettsäuren und sekundäre Pflanzenstoffe erfüllen unterschiedliche Funktionen beziehungsweise sind Bestandteil unserer täglichen Ernährung. Eine abwechslungsreiche, pflanzenbetonte Ernährung bleibt die wichtigste Grundlage für die Versorgung mit Nährstoffen und einer Vielzahl natürlicher Pflanzenstoffe.

Nahrungsergänzungsmittel können in bestimmten Situationen eine sinnvolle Ergänzung darstellen – beispielsweise wenn ein konkreter Bedarf besteht oder eine ausreichende Versorgung über Ernährung und körpereigene Bildung nicht erreicht werden kann.

Dabei sollte jedoch immer gelten:

  • gezielt statt wahllos ergänzen
  • Dosierung und Zusammensetzung beachten
  • hoch konzentrierte Pflanzenextrakte nicht mit dem Lebensmittel selbst gleichsetzen
  • mögliche Wechselwirkungen mit Arzneimitteln berücksichtigen
  • bei Erkrankungen und laufender Therapie die Einnahme medizinisch abstimmen

Quellen und weiterführende Informationen

  1. Europäische Kommission: EU Register of Nutrition and Health Claims – Datenbank der in der Europäischen Union zugelassenen und nicht zugelassenen gesundheitsbezogenen Angaben.
  2. Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Fragen und Antworten zu Nahrungsergänzungsmitteln – Informationen zu Nutzen, Risiken und möglichen Wechselwirkungen mit Arzneimitteln.
  3. Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE): Vitamin D – Referenzwerte und Informationen zur körpereigenen Vitamin-D-Bildung.
  4. Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA): Safety of green tea catechins – Bewertung der Sicherheit von Grünteekatechinen und EGCG aus Nahrungsergänzungsmitteln.
  5. Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Curcumin in Nahrungsergänzungsmitteln – gesundheitlich akzeptable tägliche Aufnahmemenge und Hinweise zu möglichen unerwünschten Wirkungen.
  6. Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Omega-3-Fettsäuren: Wichtig – aber in Maßen. Aktualisierte Informationen zu EPA und DHA sowie möglichen Risiken hoch dosierter Präparate, 2026.
  7. Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ), Krebsinformationsdienst: Nahrungsergänzungsmittel bei Krebs – Nutzen, Grenzen und mögliche Wechselwirkungen.
  8. DKFZ, Krebsinformationsdienst: Wechselwirkungen zwischen Therapien und Nahrungsergänzungsmitteln – Vorsicht ist geboten, 2025.
  9. DKFZ, Krebsinformationsdienst: Alternative und komplementäre Medizin bei Krebs – Informationen zu möglichen Wechselwirkungen mit Krebstherapien.
  10. DKFZ, Krebsinformationsdienst: Helfen Probiotika gegen Durchfall bei Krebs? Aktuelle Einordnung der Datenlage und onkologischen Leitlinien, August 2026.
  11. DKFZ, Krebsinformationsdienst: Gesund ernähren – Krebs vorbeugen. Aktuelle Informationen zu Ernährung und Nahrungsergänzungsmitteln, Juli 2026.

Disclaimer

Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Nahrungsergänzungsmittel sind Lebensmittel und nicht zur Behandlung, Heilung oder Vorbeugung von Krankheiten bestimmt. Die dargestellten Informationen zu einzelnen Inhaltsstoffen stellen keine Aussage über die Wirkung eines konkreten Produktes dar. Bei bestehenden Erkrankungen, Schwangerschaft, Stillzeit oder der Einnahme von Medikamenten sollte die Verwendung von Nahrungsergänzungsmitteln vorab mit einer Ärztin, einem Arzt oder einer entsprechend qualifizierten Fachperson abgestimmt werden. Dies gilt insbesondere während einer Krebsbehandlung, da Wechselwirkungen mit Arzneimitteln und anderen Therapieformen möglich sind.

Laut Gutachten (Health Claims) der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) können folgende Stoffe einen wissenschaftlich belegten Beitrag zu Ihrer Gesundheit leisten:

* Vitamin E

  • Vitamin E trägt dazu bei, die Zellen vor oxidativem Stress zu schützen

** Vitamin D

  • trägt zu einer normalen Aufnahme/Verwertung von Calcium und Phosphor bei
  • trägt zu einem normalen Calciumspiegel im Blut bei
  • trägt zur Erhaltung normaler Knochen bei
  • trägt zur Erhaltung einer normalen Muskelfunktion bei
  • trägt zur Erhaltung normaler Zähne bei
  • trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei
  • hat eine Funktion bei der Zellteilung:

*** Vitamin K

  • trägt zu einer normalen Blutgerinnung bei
  • trägt zur Erhaltung normaler Knochen bei

 

**** DHA (Docosahexaensäure)

  • DHA trägt zur Erhaltung einer normalen Gehirnfunktion bei
  • DHA trägt zur Erhaltung normaler Sehkraft bei

**** EPA/DHA (Eicosapentaensäure und Docosahexaensäure)

  • EPA und DHA tragen zu einer normalen Herzfunktion bei (bei einer Aufnahme von 250 mg pro Tag)
  • Senkung des Blutdrucks und des Triglyceridspiegels (bei einer Aufnahme zwischen 2 g – 4 g pro Tag)
  • Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei gesunden Erwachsenen und Kindern (bei einer Aufnahme von 250mg pro Tag)