Nahrungsergänzungsmittel: ausgewählte Nährstoffe und Pflanzenstoffe im Überblick

Eine abwechslungsreiche und ausgewogene Ernährung liefert dem Körper Vitamine, Mineralstoffe, Fettsäuren und zahlreiche sekundäre Pflanzenstoffe. Gemüse, Obst, Nüsse, Samen, hochwertige Pflanzenöle sowie Kräuter und Gewürze spielen dabei eine wichtige Rolle.

Nahrungsergänzungsmittel können die Ernährung gezielt ergänzen, vor allem in gesundheitlich beanspruchten Zeiten. Sie sind jedoch kein Ersatz für eine ausgewogene Ernährung und sollten insbesondere bei Erkrankungen oder während einer medikamentösen Behandlung nicht unkritisch eingenommen werden.

Gerade bei konzentrierten Pflanzenextrakten und hoch dosierten Nährstoffen gilt: Eine höhere Dosierung bedeutet nicht automatisch einen größeren gesundheitlichen Nutzen.

Im Folgenden stellen wir einige ausgewählte Nährstoffe und Pflanzenstoffe näher vor.

Tocotrienole – besondere Formen des Vitamin E

Unter dem Begriff Vitamin E wird eine Gruppe fettlöslicher Verbindungen zusammengefasst. Dazu gehören Tocopherole und Tocotrienole.

Vitamin E trägt dazu bei, die Zellen vor oxidativem Stress zu schützen *. Tocotrienole unterscheiden sich strukturell von Tocopherolen und sind seit vielen Jahren Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen.

Das Wichtigste im Überblick

  • Tocotrienole gehören zur Vitamin-E-Familie.
  • Man unterscheidet verschiedene Formen, darunter Alpha-, Beta-, Gamma- und Delta-Tocotrienol.
  • Natürliche Tocotrienole kommen unter anderem in bestimmten Pflanzenölen sowie in Reiskleie und Annatto vor.
  • In Nahrungsergänzungsmitteln werden Tocotrienole häufig in Form standardisierter Pflanzenextrakte eingesetzt.
  • Entscheidend sind Zusammensetzung, Herkunft und Qualität des verwendeten Rohstoffs.

Tocotrienole und Forschung

Tocotrienole sind aufgrund ihrer besonderen Struktur und ihrer biologischen Eigenschaften seit vielen Jahren Gegenstand wissenschaftlicher Forschung. Untersucht werden dabei unter anderem ihre antioxidativen und entzündungsbezogenen Eigenschaften sowie ihr Einfluss auf verschiedene zelluläre Signalwege.

Auch in der Krebsforschung sind Tocotrienole von Interesse. In experimentellen Untersuchungen wurden unter anderem Zusammenhänge mit der Regulation von Zellteilung, programmiertem Zelltod (Apoptose) und weiteren Prozessen des Zellstoffwechsels untersucht. Die bisherige Forschung umfasst vor allem präklinische Untersuchungen; daneben liegen auch erste Humanstudien vor. Damit stellen Tocotrienole ein interessantes Forschungsgebiet innerhalb der Vitamin-E-Familie dar.

Curcumin – Pflanzenstoff aus der Kurkumawurzel

Kurkuma (Curcuma longa) wird seit Jahrhunderten als Gewürz verwendet und ist besonders aus der asiatischen Küche bekannt. Die charakteristische gelbe Farbe stammt von den sogenannten Curcuminoiden. Der bekannteste Vertreter dieser Stoffgruppe ist Curcumin.

Das Wichtigste im Überblick

  • Curcumin ist ein natürlicher Pflanzenstoff aus der Kurkumawurzel.
  • Es gehört zur Gruppe der Polyphenole.
  • Kurkuma enthält neben Curcumin weitere Curcuminoide und zahlreiche natürliche Pflanzenbestandteile.
  • Die Aufnahme von Curcumin aus gewöhnlichem Kurkumapulver ist begrenzt.
  • Nahrungsergänzungsmittel enthalten deshalb teilweise konzentrierte oder speziell formulierte Kurkuma- bzw. Curcuminextrakte.

Curcumin und Forschung

Curcumin zählt zu den besonders intensiv erforschten sekundären Pflanzenstoffen. Wissenschaftler beschäftigen sich unter anderem mit seinen antioxidativen und entzündungsbezogenen Eigenschaften sowie mit seinem Einfluss auf unterschiedliche Signalwege und Prozesse innerhalb von Zellen.

Auch in der Krebsforschung wird Curcumin seit vielen Jahren untersucht. Gegenstand der Forschung sind beispielsweise Prozesse der Zellteilung, des programmierten Zelltods (Apoptose), des Zellstoffwechsels sowie verschiedene Signalwege, die bei der Entstehung und Entwicklung von Tumoren eine Rolle spielen. Neben zahlreichen Labor- und Tierstudien existieren inzwischen auch klinische Untersuchungen am Menschen. Die wissenschaftliche Bewertung hängt dabei wesentlich von Einsatzgebiet, Dosierung und verwendeter Curcumin-Formulierung ab.

Bei Curcumin-Präparaten beachten

Konzentrierte Extrakte sind nicht mit der Verwendung von Kurkuma als Gewürz gleichzusetzen. Bei Nahrungsergänzungsmitteln sollte deshalb insbesondere auf folgende Punkte geachtet werden:

  • angegebener Curcumin- bzw. Curcuminoidgehalt
  • empfohlene tägliche Verzehrmenge
  • Zusammensetzung des Extrakts
  • zusätzliche Inhaltsstoffe zur Veränderung der Bioverfügbarkeit
  • mögliche Wechselwirkungen mit Arzneimitteln

Polyphenole – die Vielfalt sekundärer Pflanzenstoffe

Polyphenole bilden eine große und vielfältige Gruppe sekundärer Pflanzenstoffe. Pflanzen bilden diese Substanzen unter anderem als Farb-, Aroma- und Schutzstoffe. Entsprechend kommen Polyphenole in zahlreichen Gemüse- und Obstsorten, Kräutern, Gewürzen, Nüssen sowie Tee und anderen pflanzlichen Lebensmitteln vor.

Zu den Polyphenolen gehören verschiedene Untergruppen und Einzelsubstanzen, die sich hinsichtlich ihrer Struktur und ihrer biologischen Eigenschaften teilweise deutlich unterscheiden.

Bekannte Polyphenole und ihre natürlichen Quellen

  • Anthocyane: Blaubeeren, Brombeeren, Himbeeren, Cranberrys, Granatapfel, Rotkohl und rote Zwiebeln
  • Curcumin: Kurkuma
  • Resveratrol: vor allem Weintrauben und verschiedene Beeren
  • Catechine: insbesondere grüner und schwarzer Tee
  • Quercetin: unter anderem Zwiebeln, Äpfel und Kapern

Eine abwechslungsreiche pflanzenbetonte Ernährung bietet den Vorteil, dass nicht nur einzelne Polyphenole, sondern zahlreiche unterschiedliche Pflanzenstoffe gemeinsam aufgenommen werden.

Polyphenole im Fokus der Forschung

Polyphenole gehören zu den intensiv untersuchten sekundären Pflanzenstoffen. Im Mittelpunkt stehen unter anderem ihre antioxidativen Eigenschaften sowie ihre Wechselwirkungen mit unterschiedlichen Enzymen, Rezeptoren und zellulären Signalwegen.

Auch in der Krebsforschung beschäftigen sich zahlreiche experimentelle Arbeiten mit Polyphenolen. Untersucht werden beispielsweise mögliche Einflüsse auf:

  • zelluläre Signalwege
  • Zellteilung und Zellzyklus
  • programmierten Zelltod (Apoptose)
  • Entzündungsprozesse
  • oxidativen Stress
  • Energiestoffwechsel von Zellen
  • Prozesse der Gefäßneubildung
  • Mechanismen, die bei Zellmigration und Metastasierung eine Rolle spielen

Besonderes wissenschaftliches Interesse gilt dabei unter anderem Curcumin, Resveratrol, Quercetin, Anthocyanen und Catechinen aus grünem Tee.

Ein weiterer Forschungsansatz beschäftigt sich mit der Kombination verschiedener Polyphenole. Pflanzen enthalten natürlicherweise komplexe Gemische zahlreicher bioaktiver Substanzen. Wissenschaftler untersuchen daher nicht nur einzelne isolierte Verbindungen, sondern zunehmend auch mögliche Wechselwirkungen verschiedener Pflanzenstoffe.

Viele Erkenntnisse zu diesen Mechanismen stammen bislang aus experimentellen Untersuchungen. Welche Bedeutung einzelne Polyphenole und ihre Kombinationen beim Menschen haben, ist Gegenstand weiterer Forschung.

Lebensmittel und konzentrierte Pflanzenextrakte

Polyphenole können sowohl über Lebensmittel als auch in konzentrierter Form über Pflanzenextrakte aufgenommen werden. Dabei bestehen erhebliche Unterschiede:

  • Lebensmittel liefern meist eine Vielzahl verschiedener Pflanzenstoffe gleichzeitig.
  • Pflanzenextrakte können ausgewählte Polyphenole deutlich stärker konzentrieren.
  • Extrakte können auf bestimmte Pflanzenstoffe standardisiert werden.
  • Zusammensetzung und Konzentration können sich von Produkt zu Produkt deutlich unterscheiden.

Bei einem Nahrungsergänzungsmittel lohnt sich deshalb ein Blick darauf, welche Pflanzenextrakte enthalten sind, auf welche Inhaltsstoffe sie standardisiert wurden und welche Menge mit der empfohlenen Tagesportion aufgenommen wird.

Bei gleichzeitiger Einnahme von Medikamenten oder während einer medizinischen Behandlung sollten insbesondere hoch konzentrierte Pflanzenextrakte mit dem behandelnden Arzt oder Apotheker abgestimmt werden.

Vitamin D und Vitamin K

Vitamin D nimmt unter den Vitaminen eine besondere Stellung ein. Der Körper kann Vitamin D mithilfe von UVB-Strahlung in der Haut selbst bilden. Die normale Ernährung trägt dagegen bei den meisten Menschen nur einen kleineren Teil zur Versorgung bei.

Vitamin D erfüllt wichtige Funktionen

Für Vitamin D sind in der EU verschiedene gesundheitsbezogene Angaben zugelassen **. Vitamin D trägt unter anderem bei zu:

  • einer normalen Funktion des Immunsystems
  • einer normalen Aufnahme und Verwertung von Calcium und Phosphor
  • einem normalen Calciumspiegel im Blut
  • der Erhaltung normaler Knochen
  • der Erhaltung einer normalen Muskelfunktion
  • der Erhaltung normaler Zähne

Außerdem hat Vitamin D eine Funktion bei der Zellteilung.

Vitamin D2 und D3 – wo liegt der Unterschied?

Vitamin D ist ein Sammelbegriff für verschiedene fettlösliche Verbindungen. Für die menschliche Ernährung sind vor allem zwei Formen relevant:

  • Vitamin D2 (Ergocalciferol): kommt vor allem in Pilzen und Hefen vor und wird häufig aus pflanzlichen bzw. pilzbasierten Quellen gewonnen.
  • Vitamin D3 (Cholecalciferol): ist die Form, die der menschliche Körper auch selbst in der Haut unter Einwirkung von UVB-Strahlung bildet. In Lebensmitteln kommt D3 vor allem in tierischen Quellen wie fettreichem Fisch und Eigelb vor. Für Nahrungsergänzungsmittel gibt es mittlerweile außerdem veganes Vitamin D3, beispielsweise aus Flechten.
  • Beide Formen können vom Körper genutzt werden: D2 und D3 werden zunächst in der Leber zu 25-Hydroxyvitamin D umgewandelt. Dieser Wert wird üblicherweise auch zur Beurteilung des Vitamin-D-Status im Blut herangezogen.
  • D3 zeigt bei der Supplementierung Vorteile: Studien und Metaanalysen zeigen, dass Vitamin D3 den 25-Hydroxyvitamin-D-Spiegel im Allgemeinen effektiver bzw. nachhaltiger erhöhen kann als Vitamin D2. Deshalb wird in vielen Nahrungsergänzungsmitteln Vitamin D3 eingesetzt.

Wo kommt Vitamin D vor?

Zu den natürlichen Nahrungsquellen gehören vor allem:

  • fettreiche Fische
  • Eigelb
  • einige Speisepilze

Von besonderer Bedeutung ist jedoch die körpereigene Vitamin-D-Bildung durch Sonnenlicht.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung nennt bei fehlender körpereigener Vitamin-D-Bildung einen Schätzwert von 20 µg Vitamin D pro Tag für Jugendliche und Erwachsene.

Ob eine Supplementierung erforderlich ist, hängt von der individuellen Versorgungssituation ab. Ein Vitamin-D-Mangel lässt sich über die Bestimmung des 25-Hydroxyvitamin-D-Spiegels im Blut beurteilen.

Und Vitamin K?

Vitamin K trägt zu ***

  • einer normalen Blutgerinnung und
  • der Erhaltung normaler Knochen

bei.

Vitamin K kommt in unterschiedlichen Formen vor. Vitamin K1 findet sich vor allem in grünem Gemüse, während verschiedene Formen von Vitamin K2 unter anderem in fermentierten Lebensmitteln vorkommen.

Wichtig: Personen, die bestimmte gerinnungshemmende Medikamente einnehmen, sollten Vitamin-K-haltige Nahrungsergänzungsmittel nur nach ärztlicher Rücksprache verwenden.

Grüner Tee und EGCG

Grüner Tee wird aus den Blättern der Teepflanze Camellia sinensis hergestellt. Zu seinen charakteristischen Pflanzenstoffen gehören die Catechine.

Ein besonders bekanntes Catechin ist Epigallocatechingallat (EGCG).

Das Wichtigste im Überblick

  • EGCG kommt natürlicherweise vor allem in grünem Tee vor.
  • Der Gehalt hängt unter anderem von Teesorte, Anbau, Verarbeitung und Zubereitung ab.
  • Grüner Tee als Getränk ist nicht mit hoch konzentrierten Grünteeextrakten in Nahrungsergänzungsmitteln gleichzusetzen.
  • EGCG und andere Catechine sind Gegenstand zahlreicher wissenschaftlicher Untersuchungen.

Vorsicht bei hoch konzentrierten Grünteeextrakten

Hier ist eine klare Unterscheidung zwischen Grüntee als Getränk und Nahrungsergänzungsmitteln wichtig.

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) bewertet Catechine aus traditionell zubereiteten Grünteeaufgüssen grundsätzlich anders als hoch konzentrierte Extrakte.

Bei Nahrungsergänzungsmitteln wurden hohe EGCG-Aufnahmemengen mit möglichen Leberschädigungen in Verbindung gebracht. Die EFSA stellte fest, dass 800 mg EGCG pro Tag aus Nahrungsergänzungsmitteln mit ersten Anzeichen einer Leberschädigung verbunden sein können.

Bei Grünteeextrakten gilt deshalb besonders: Dosierung und Anwendungshinweise beachten und bei bestehender Erkrankung oder gleichzeitiger Medikamenteneinnahme vor der Einnahme ärztlichen Rat einholen.

Omega-3-Fettsäuren – ALA, EPA und DHA

Omega-3-Fettsäuren gehören zu den mehrfach ungesättigten Fettsäuren und erfüllen unterschiedliche Aufgaben im menschlichen Körper. Die drei bekanntesten Vertreter sind:

  • Alpha-Linolensäure (ALA)
  • Eicosapentaensäure (EPA)
  • Docosahexaensäure (DHA)

ALA ist eine essenzielle Fettsäure und muss über die Nahrung aufgenommen werden. Der menschliche Körper kann ALA in begrenztem Umfang in die längerkettigen Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA umwandeln. Die direkte Aufnahme von EPA und DHA über Lebensmittel oder Nahrungsergänzungsmittel ist deshalb eine weitere Möglichkeit der Versorgung.

Wo kommen Omega-3-Fettsäuren vor?

ALA findet sich vor allem in pflanzlichen Lebensmitteln:

  • Leinöl und Leinsamen
  • Rapsöl
  • Walnüsse und Walnussöl
  • Chiasamen
  • Hanfsamen und Hanföl

EPA und DHA stammen hauptsächlich aus marinen Quellen:

  • Hering
  • Makrele
  • Lachs
  • Sardinen
  • weitere fettreiche Meeresfische
  • Mikroalgen

Interessant ist dabei: Fische bilden die langkettigen Omega-3-Fettsäuren nicht ausschließlich selbst, sondern nehmen sie innerhalb der marinen Nahrungskette auf. Bestimmte Mikroalgen stehen am Anfang dieser Nahrungskette. Algenöl ermöglicht daher eine direkte, fischfreie Quelle für DHA und – je nach Algenart und Produkt – auch EPA.

Anerkannte Funktionen von EPA und DHA

Für EPA und DHA bestehen in der Europäischen Union zugelassene gesundheitsbezogene Angaben, sofern die jeweils vorgeschriebenen Aufnahmemengen erreicht werden.

So tragen:

  • EPA und DHA zu einer normalen Herzfunktion bei.
  • DHA zur Erhaltung einer normalen Gehirnfunktion bei.
  • DHA zur Erhaltung normaler Sehkraft bei.

Für die normale Herzfunktion wird die positive Wirkung bei einer täglichen Aufnahme von 250 mg EPA und DHAerreicht. Bei den zugelassenen Aussagen zu Gehirnfunktion und Sehkraft liegt die erforderliche tägliche Aufnahme bei 250 mg DHA.

Omega-3-Fettsäuren im Fokus der Forschung

Über diese anerkannten Funktionen hinaus werden EPA und DHA in zahlreichen wissenschaftlichen Bereichen untersucht. Ein Schwerpunkt liegt auf ihrer Bedeutung als Bestandteile von Zellmembranen und als Ausgangssubstanzen für verschiedene biologisch aktive Botenstoffe.

Auch in der Onkologie sind Omega-3-Fettsäuren Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen. Forschungsarbeiten beschäftigen sich beispielsweise mit möglichen Zusammenhängen zwischen EPA bzw. DHA und:

  • Entzündungs- und Immunprozessen
  • Zusammensetzung und Funktion von Zellmembranen
  • zellulärem Energiestoffwechsel
  • Ernährungs- und Allgemeinzustand von Patienten
  • Erhalt von Körpergewicht und Muskelmasse
  • verschiedenen Stoffwechselprozessen während einer Erkrankung und Therapie

Insbesondere der Ernährungs- und Muskelstatus ist in der onkologischen Ernährungsmedizin von Interesse, da eine ausreichende Energie- und Nährstoffversorgung während einer Erkrankung eine wichtige Rolle spielen kann.

Daneben beschäftigen sich experimentelle Forschungsarbeiten mit der Frage, wie DHA und EPA bestimmte Prozesse in Tumorzellen beeinflussen können. Untersucht werden unter anderem Veränderungen des Zellstoffwechsels, der Zellmembran und verschiedener Signalwege. Die klinische Bedeutung dieser Forschungsansätze wird weiterhin untersucht.

Fischöl oder Algenöl?

Nahrungsergänzungsmittel enthalten EPA und DHA traditionell häufig in Form von Fischöl. Inzwischen stehen jedoch auch hochwertige Algenöle zur Verfügung.

Fischöl:

  • natürliche Quelle für EPA und DHA
  • je nach Produkt unterschiedliche Konzentrationen
  • Qualität und Oxidationsstabilität sind wichtige Auswahlkriterien

Algenöl:

  • wird aus kultivierten Mikroalgen gewonnen
  • eignet sich auch für eine vegetarische bzw. vegane Ernährung
  • kann hohe Mengen DHA und je nach Produkt auch EPA liefern
  • stellt eine direkte Quelle mariner Omega-3-Fettsäuren ohne Fisch dar

Entscheidend ist daher weniger die Frage „Fisch oder Alge“, sondern vor allem, wie viel EPA und DHA die empfohlene Tagesportion tatsächlich liefert und welche Qualität das verwendete Öl besitzt.

Worauf ist bei Omega-3-Präparaten zu achten?

Beim Vergleich von Produkten lohnt sich ein genauer Blick auf:

  • tatsächlichen EPA- und DHA-Gehalt statt nur auf die Gesamtmenge an Fisch- oder Algenöl
  • empfohlene Tagesportion
  • Herkunft und Reinheit des Öls
  • Schutz vor Oxidation
  • Lagerung und Haltbarkeit
  • bei Algenöl: Verhältnis von DHA und EPA

Bei sehr hohen Dosierungen oder der gleichzeitigen Einnahme bestimmter Medikamente sollte die Einnahme mit einem Arzt oder Apotheker abgestimmt werden.

Probiotika und das Darmmikrobiom

Unser Darm beherbergt eine enorme Gemeinschaft aus Bakterien und anderen Mikroorganismen. Diese sogenannte Darmmikrobiota ist an zahlreichen Vorgängen im Körper beteiligt und steht in enger Wechselwirkung mit Ernährung, Stoffwechsel und Immunsystem.

Besonders interessant ist dabei die Vielfalt der Darmbakterien. Zusammensetzung und Aktivität des Mikrobioms unterscheiden sich von Mensch zu Mensch und werden unter anderem durch Ernährung, Alter, Lebensstil, Medikamente und Umwelteinflüsse geprägt.

Was sind Probiotika?

Als Probiotika werden lebende Mikroorganismen bezeichnet, die in ausreichender Menge aufgenommen werden. Häufig verwendete Mikroorganismen stammen beispielsweise aus den Gruppen der Lactobacillen und Bifidobakterien.

Natürlicherweise finden sich lebende Mikroorganismen insbesondere in fermentierten Lebensmitteln. Dazu gehören beispielsweise:

  • Joghurt und Kefir, frisches Sauerkraut, Kimchi, Miso, weitere fermentierte Lebensmittel

Daneben stehen ausgewählte Bakterienkulturen auch in Form von Nahrungsergänzungsmitteln zur Verfügung.

Ernährung für das Darmmikrobiom

Nicht nur die Aufnahme von Mikroorganismen selbst ist interessant. Ebenso wichtig ist, was den bereits im Darm vorhandenen Bakterien als Nahrung zur Verfügung steht.

Bestimmte Darmbakterien können unverdauliche Nahrungsbestandteile und Ballaststoffe verstoffwechseln. Dabei entstehen unter anderem kurzkettige Fettsäuren wie Acetat, Propionat und Butyrat. Gerade diese Stoffwechselprodukte und ihre Bedeutung für die Darmumgebung sind ein wichtiges Gebiet der aktuellen Mikrobiomforschung.

Eine abwechslungsreiche, ballaststoffreiche Ernährung mit Gemüse, Hülsenfrüchten, Vollkornprodukten, Nüssen und Samen liefert deshalb wichtige Substrate für das Darmmikrobiom.

Probiotika und aktuelle Forschung

Das Mikrobiom gehört mittlerweile zu den dynamischsten Forschungsgebieten der Ernährungs- und Gesundheitswissenschaften. Untersucht werden unter anderem die Beziehungen zwischen Darmbakterien, Darmbarriere, Stoffwechsel und Immunsystem.

Auch in der Onkologie hat das Mikrobiom in den vergangenen Jahren erheblich an wissenschaftlichem Interesse gewonnen. Forschungsarbeiten beschäftigen sich beispielsweise mit der Frage, in welchem Zusammenhang die Zusammensetzung der Darmmikrobiota mit dem Verlauf bestimmter Erkrankungen, dem Ernährungsstatus und dem Ansprechen auf verschiedene Therapien stehen könnte.

Wichtig für die Einordnung ist dabei, dass sich Ergebnisse zu einem bestimmten Bakterienstamm nicht automatisch auf andere Mikroorganismen oder beliebige probiotische Produkte übertragen lassen. Stamm, Zusammensetzung und Menge der enthaltenen Mikroorganismen sind deshalb wesentliche Merkmale eines probiotischen Präparates.

Worauf ist bei Nahrungsergänzungsmitteln zu achten?

Bei einem Probiotikum lohnt sich ein genauer Blick auf die Zusammensetzung:

  • Welche Bakterienarten und -stämme sind enthalten?
  • Wie viele lebensfähige Mikroorganismen enthält die Tagesportion?
  • Sind die verwendeten Stämme eindeutig bezeichnet?
  • Welche Lagerbedingungen sind erforderlich?
  • Ist das Produkt so konzipiert, dass möglichst viele Mikroorganismen ihren vorgesehenen Wirkort erreichen?

Insbesondere während einer medizinischen Behandlung sollte die Verwendung konzentrierter probiotischer Präparate mit dem behandelnden Ärzteteam abgestimmt werden. Dies gilt besonders bei stark geschwächtem Immunsystem.

Nahrungsergänzungsmittel bei Krebs – was grundsätzlich zu beachten ist

Für Menschen mit einer Krebserkrankung ist ein Punkt besonders wichtig: Nahrungsergänzungsmittel sind keine Arzneimittel zur Behandlung von Krebs.

Während einer Chemo-, Strahlen-, Immun-, Antikörper- oder medikamentösen Krebstherapie können Nahrungsergänzungsmittel unter Umständen:

  • die Aufnahme von Arzneimitteln beeinflussen,
  • deren Abbau im Körper verändern,
  • Wirkungen oder Nebenwirkungen beeinflussen oder
  • mit einzelnen Therapieprinzipien interferieren.

Das betrifft insbesondere hoch dosierte oder konzentrierte Präparate.

Deshalb sollten Menschen in onkologischer Behandlung alle Nahrungsergänzungsmittel, Pflanzenextrakte und hoch dosierten Vitamin- oder Mineralstoffpräparate mit ihrem behandelnden Ärzteteam abstimmen.


Fazit

Vitamine, Fettsäuren und sekundäre Pflanzenstoffe erfüllen unterschiedliche Funktionen beziehungsweise sind Bestandteil unserer täglichen Ernährung. Eine abwechslungsreiche, pflanzenbetonte Ernährung bleibt die wichtigste Grundlage für die Versorgung mit Nährstoffen und einer Vielzahl natürlicher Pflanzenstoffe.

Nahrungsergänzungsmittel können in bestimmten Situationen eine sinnvolle Ergänzung darstellen – beispielsweise wenn ein konkreter Bedarf besteht oder eine ausreichende Versorgung über Ernährung und körpereigene Bildung nicht erreicht werden kann.

Dabei sollte jedoch immer gelten:

  • gezielt statt wahllos ergänzen
  • Dosierung und Zusammensetzung beachten
  • hoch konzentrierte Pflanzenextrakte nicht mit dem Lebensmittel selbst gleichsetzen
  • mögliche Wechselwirkungen mit Arzneimitteln berücksichtigen
  • bei Erkrankungen und laufender Therapie die Einnahme medizinisch abstimmen

Quellen und weiterführende Informationen

  1. Europäische Kommission: EU Register of Nutrition and Health Claims – Datenbank der in der Europäischen Union zugelassenen und nicht zugelassenen gesundheitsbezogenen Angaben.
  2. Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Fragen und Antworten zu Nahrungsergänzungsmitteln – Informationen zu Nutzen, Risiken und möglichen Wechselwirkungen mit Arzneimitteln.
  3. Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE): Vitamin D – Referenzwerte und Informationen zur körpereigenen Vitamin-D-Bildung.
  4. Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA): Safety of green tea catechins – Bewertung der Sicherheit von Grünteekatechinen und EGCG aus Nahrungsergänzungsmitteln.
  5. Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Curcumin in Nahrungsergänzungsmitteln – gesundheitlich akzeptable tägliche Aufnahmemenge und Hinweise zu möglichen unerwünschten Wirkungen.
  6. Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Omega-3-Fettsäuren: Wichtig – aber in Maßen. Aktualisierte Informationen zu EPA und DHA sowie möglichen Risiken hoch dosierter Präparate, 2026.
  7. Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ), Krebsinformationsdienst: Nahrungsergänzungsmittel bei Krebs – Nutzen, Grenzen und mögliche Wechselwirkungen.
  8. DKFZ, Krebsinformationsdienst: Wechselwirkungen zwischen Therapien und Nahrungsergänzungsmitteln – Vorsicht ist geboten, 2025.
  9. DKFZ, Krebsinformationsdienst: Alternative und komplementäre Medizin bei Krebs – Informationen zu möglichen Wechselwirkungen mit Krebstherapien.
  10. DKFZ, Krebsinformationsdienst: Helfen Probiotika gegen Durchfall bei Krebs? Aktuelle Einordnung der Datenlage und onkologischen Leitlinien, August 2026.
  11. DKFZ, Krebsinformationsdienst: Gesund ernähren – Krebs vorbeugen. Aktuelle Informationen zu Ernährung und Nahrungsergänzungsmitteln, Juli 2026.

Disclaimer

Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Nahrungsergänzungsmittel sind Lebensmittel und nicht zur Behandlung, Heilung oder Vorbeugung von Krankheiten bestimmt. Die dargestellten Informationen zu einzelnen Inhaltsstoffen stellen keine Aussage über die Wirkung eines konkreten Produktes dar. Bei bestehenden Erkrankungen, Schwangerschaft, Stillzeit oder der Einnahme von Medikamenten sollte die Verwendung von Nahrungsergänzungsmitteln vorab mit einer Ärztin, einem Arzt oder einer entsprechend qualifizierten Fachperson abgestimmt werden. Dies gilt insbesondere während einer Krebsbehandlung, da Wechselwirkungen mit Arzneimitteln und anderen Therapieformen möglich sind.

Laut Gutachten (Health Claims) der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) können folgende Stoffe einen wissenschaftlich belegten Beitrag zu Ihrer Gesundheit leisten:

* Vitamin E

  • Vitamin E trägt dazu bei, die Zellen vor oxidativem Stress zu schützen

** Vitamin D

  • trägt zu einer normalen Aufnahme/Verwertung von Calcium und Phosphor bei
  • trägt zu einem normalen Calciumspiegel im Blut bei
  • trägt zur Erhaltung normaler Knochen bei
  • trägt zur Erhaltung einer normalen Muskelfunktion bei
  • trägt zur Erhaltung normaler Zähne bei
  • trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei
  • hat eine Funktion bei der Zellteilung:

*** Vitamin K

  • trägt zu einer normalen Blutgerinnung bei
  • trägt zur Erhaltung normaler Knochen bei

 

**** DHA (Docosahexaensäure)

  • DHA trägt zur Erhaltung einer normalen Gehirnfunktion bei
  • DHA trägt zur Erhaltung normaler Sehkraft bei

**** EPA/DHA (Eicosapentaensäure und Docosahexaensäure)

  • EPA und DHA tragen zu einer normalen Herzfunktion bei (bei einer Aufnahme von 250 mg pro Tag)
  • Senkung des Blutdrucks und des Triglyceridspiegels (bei einer Aufnahme zwischen 2 g – 4 g pro Tag)
  • Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei gesunden Erwachsenen und Kindern (bei einer Aufnahme von 250mg pro Tag)

Ketogene Ernährung bei Krebs: Was zeigen aktuelle Studien?

Ketogene Ernährung bei Krebs: Was zeigen aktuelle Studien?

Lesezeit: ca. 4 Minuten

Kann eine ketogene Ernährung die Krebstherapie sinnvoll unterstützen? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler seit vielen Jahren. Neue klinische Studien und wissenschaftliche Übersichtsarbeiten liefern interessante Erkenntnisse über mögliche Auswirkungen auf den Tumorstoffwechsel, die Körperzusammensetzung und das Wohlbefinden von Krebspatienten.

Die ketogene Ernährung zeichnet sich durch eine stark reduzierte Kohlenhydratzufuhr und einen hohen Fettanteil aus. Dadurch stellt der Körper seinen Energiestoffwechsel teilweise um und bildet vermehrt sogenannte Ketonkörper.

Besonders interessant für die Krebsforschung: Viele Tumorzellen weisen einen veränderten Zuckerstoffwechsel auf. Wissenschaftler untersuchen deshalb, ob eine gezielte Ernährungsumstellung die Stoffwechselbedingungen beeinflussen und damit eine Krebstherapie ergänzen kann.

Doch was ist tatsächlich wissenschaftlich belegt? Wir haben die häufigsten Kritikpunkte anhand neuerer Studien betrachtet.

Kritikpunkt 1: Eine ketogene Ernährung kann Krebs heilen

Eine ketogene Ernährung ist keine eigenständige Krebstherapie und sollte eine medizinische Behandlung niemals ersetzen.

Die Forschung konzentriert sich vielmehr auf ihren möglichen Nutzen als begleitende Maßnahme.

Dabei werden insbesondere folgende Zusammenhänge untersucht:

  • Veränderungen des Blutzucker- und Insulinstoffwechsels

  • Mögliche Einflüsse auf das Tumorwachstum

  • Auswirkungen auf die Verträglichkeit medizinischer Behandlungen

  • Veränderungen der Lebensqualität während einer Krebstherapie

Eine klinische Studie mit 80 Brustkrebspatientinnen zeigte beispielsweise, dass eine begleitende ketogene Ernährung bei Patientinnen mit lokal fortgeschrittener Erkrankung mit einer stärkeren Verringerung der Tumorgröße verbunden war als die Ernährung der Kontrollgruppe.

Diese Ergebnisse liefern interessante Hinweise auf mögliche ergänzende Wirkungen, die in weiteren klinischen Studien untersucht werden müssen.

Kritikpunkt 2: Eine ketogene Ernährung führt zwangsläufig zu Mangelernährung

Eine ketogene Ernährung muss nicht automatisch eine unzureichende Nährstoffversorgung bedeuten.

Entscheidend sind die Auswahl der Lebensmittel, eine ausreichende Energiezufuhr und die individuelle gesundheitliche Situation.

Eine ausgewogen zusammengestellte ketogene Ernährung kann beispielsweise folgende Lebensmittel enthalten:

  • Kohlenhydratarmes Gemüse wie Brokkoli, Zucchini, Spinat und Blumenkohl

  • Hochwertige Fettquellen wie Olivenöl, Avocados, Nüsse und Samen

  • Eiweißreiche Lebensmittel wie Fisch, Eier, Fleisch und Milchprodukte

  • Kleine Mengen zuckerarmer Beeren

Allerdings kann eine stark eingeschränkte Lebensmittelauswahl das Risiko einer Unterversorgung erhöhen.

Besonders während einer Krebstherapie ist eine ausreichende Versorgung mit Energie, Eiweiß, Vitaminen und Mineralstoffen wichtig.

Eine begleitende Ernährungsberatung kann helfen, die ketogene Ernährung an den individuellen Bedarf anzupassen und eine unerwünschte Mangelernährung zu vermeiden.

Kritikpunkt 3: Krebspatienten verlieren durch eine ketogene Ernährung zu viel Gewicht

Die ketogene Ernährung wird häufig mit Gewichtsreduktion in Verbindung gebracht. Eine Gewichtsabnahme ist jedoch nicht zwangsläufig das Ziel einer ketogenen Ernährung bei Krebs.

Eine Metaanalyse aus dem Jahr 2025 untersuchte die Auswirkungen ketogener Ernährungsformen auf verschiedene gesundheitliche Parameter von Krebspatienten.

Dabei beobachteten die Forscher unter anderem:

  • Eine Verringerung der Körperfettmasse

  • Eine Reduktion des viszeralen Bauchfetts

  • Niedrigere Blutzucker- und Insulinwerte

  • Verbesserungen bei einzelnen untersuchten Parametern der Lebensqualität

Wichtig ist allerdings die Unterscheidung zwischen einem gezielten Abbau überschüssigen Körperfetts und einem krankheitsbedingten Gewichts- oder Muskelverlust.

Gerade bei bereits untergewichtigen Patienten oder einer bestehenden Krebskachexie hat der Erhalt von Körpergewicht und Muskelmasse besondere Bedeutung.

Eine ketogene Ernährung sollte deshalb ausreichend Energie und Eiweiß liefern und bei Krebspatienten nur unter fachlicher Begleitung umgesetzt werden.

Kritikpunkt 4: Eine ketogene Ernährung ist zu streng und im Alltag kaum umsetzbar

Die ketogene Ernährung erfordert eine deutliche Reduktion der Kohlenhydratzufuhr. Wie stark diese ausfallen muss, hängt jedoch von der individuellen Stoffwechselsituation und dem gewählten Ernährungskonzept ab.

Nicht jeder Mensch benötigt dieselbe Kohlenhydratmenge, um eine ernährungsbedingte Ketose zu erreichen. Auch in klinischen Studien werden unterschiedliche ketogene Ernährungsformen untersucht.

Eine wissenschaftliche Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2026 zur ketogenen Ernährung bei Glioblastomen untersuchte 41 Studien mit verschiedenen Ernährungskonzepten. Die Ergebnisse zeigten, dass eine ketogene Ernährung für viele der untersuchten Patienten umsetzbar war. Mehr als 75 % hielten in den ausgewerteten Untersuchungen eine ernährungsbedingte Ketose aufrecht.

Ketogene Ernährung wird im Alltag immer einfacher

Mittlerweile haben sich zahlreiche Unternehmen darauf spezialisiert, praktische und kundenfreundliche Keto-Produkte zu entwickeln, die eine kohlenhydratreduzierte Ernährung im Alltag erleichtern.

Auch TAVARLIN bietet hierfür eine Auswahl an Produkten, die sich gut in ein ketogenes Ernährungskonzept integrieren lassen:

  • Metabolic Sensitizer Shake – Keto Drink: Praktische Ergänzung für die ketogene Ernährung.

  • Keto-geeignete Produkte: Zucker und Zuckeralternativen, Schokoladen, oder Riegel  für eine abwechslungsreiche, kohlenhydratbewusste Ernährung.

Entscheidend ist  nicht eine starre Kohlenhydratgrenze, sondern ein individuell abgestimmtes Ernährungskonzept, das sich gut in den Alltag integrieren lässt und gleichzeitig eine ausreichende Energie- und Nährstoffversorgung sicherstellt.

Für Krebspatienten ist dabei besonders wichtig, dass die Ernährungsumstellung mit dem behandelnden medizinischen Team abgestimmt wird und spezielle Keto-Produkte keine notwendige medizinische Ernährungstherapie ersetzen.

Kritikpunkt 5: Eine ketogene Ernährung ist eine zusätzliche Belastung für Krebspatienten

Eine Krebsdiagnose und die anschließende Behandlung stellen Betroffene häufig vor große körperliche und psychische Herausforderungen.

Eine zusätzliche Ernährungsumstellung kann deshalb unterschiedlich erlebt werden.

Manche Patienten möchten sich bewusst mit ihrer Ernährung beschäftigen und selbst aktiv zu ihrer gesundheitlichen Versorgung beitragen. Andere empfinden strenge Ernährungsvorgaben möglicherweise als zusätzliche Belastung.

Die Forschung untersucht auch, wie sich eine ketogene Ernährung auf das Wohlbefinden während einer Krebstherapie auswirkt.

Die Metaanalyse aus dem Jahr 2025 beobachtete unter anderem Verbesserungen bei Müdigkeit, Schlafproblemen sowie einzelnen emotionalen und sozialen Aspekten der Lebensqualität.

Diese Ergebnisse sind interessant, lassen sich jedoch nicht auf jeden Patienten übertragen.

Eine begleitende ketogene Ernährung sollte deshalb immer zur persönlichen Situation passen und die Lebensqualität möglichst unterstützen, anstatt zusätzliche Einschränkungen zu verursachen.

Fazit: Ketogene Ernährung bleibt ein interessantes Forschungsgebiet der Krebstherapie

Die wissenschaftliche Forschung zur ketogenen Ernährung bei Krebs hat sich in den vergangenen Jahren deutlich weiterentwickelt.

Neuere Studien zeigen, dass eine ketogene Ernährung bei ausgewählten Krebspatienten verschiedene Stoffwechselparameter positiv beeinflussen kann. Auch hinsichtlich der Körperzusammensetzung und einzelner Aspekte der Lebensqualität wurden interessante Ergebnisse beobachtet.

Eine individuell abgestimmte ketogene Ernährung kann deshalb ein interessanter begleitender Ansatz sein, dessen tatsächlicher Nutzen für den Verlauf einer Krebserkrankung weiter erforscht wird.

Für Krebspatienten stehen dabei eine ausreichende Nährstoffversorgung, der Erhalt der Muskelmasse und die Abstimmung mit dem behandelnden onkologischen Team im Mittelpunkt.

Wissenschaftliche Quellen

Salido-Bueno et al. (2024): Effects of ketogenic diets on cancer-related variables: A systematic review and meta-analysis of randomised controlled trials. Nutrition Bulletin.

Zhang et al. (2025): Impact of ketogenic diets on cancer patient outcomes: a systematic review and meta-analysis.Frontiers in Nutrition.

Firdous et al. (2026): Efficacy and safety of ketogenic diet in glioblastoma: an updated systematic review and meta-analysis. Neurological Sciences.

Khodabakhshi et al. (2020): Effects of Ketogenic metabolic therapy on patients with breast cancer: A randomized controlled clinical trial. Clinical Nutrition.

Muscaritoli et al. (2021): ESPEN practical guideline: Clinical Nutrition in cancer. Clinical Nutrition.

Risikofaktor Übergewicht

Übergewicht und Krebsrisiko: Was aktuelle Studien über Bauchfett und gesunde Ernährung zeigen

Lesezeit: ca. 3 Minuten

Übergewicht ist weit mehr als eine Frage des Aussehens. Besonders überschüssiges Bauchfett kann den Stoffwechsel beeinflussen und das Risiko für verschiedene Erkrankungen erhöhen – darunter auch bestimmte Krebsarten.

Eine große Untersuchung der American Cancer Society aus dem Jahr 2024 zeigt: Rund 40 % der untersuchten Krebsneuerkrankungen bei Erwachsenen ab 30 Jahren in den USA im Jahr 2019 waren mit potenziell beeinflussbaren Risikofaktoren verbunden. Übergewicht gehörte dabei zu den bedeutendsten Faktoren.

Die gute Nachricht: Eine ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung und ein gesundes Körpergewicht bieten wichtige Möglichkeiten, das persönliche Krebsrisiko zu senken.

Warum kann Übergewicht das Krebsrisiko erhöhen?

Körperfett dient nicht nur als Energiespeicher. Fettgewebe ist stoffwechselaktiv und produziert verschiedene Hormone und Botenstoffe.

Besonders das sogenannte viszerale Fett, das sich im Bauchraum um die inneren Organe ansammelt, wird mit Veränderungen des Stoffwechsels in Verbindung gebracht.

Zu den möglichen Auswirkungen von überschüssigem Körperfett gehören:

  • Chronische Entzündungsprozesse: Überschüssiges Fettgewebe kann die Freisetzung entzündungsfördernder Botenstoffe begünstigen.

  • Veränderungen des Hormonhaushalts: Erhöhte Konzentrationen bestimmter Hormone, beispielsweise von Östrogenen, können bei hormonabhängigen Krebsarten eine Rolle spielen.

  • Erhöhte Insulinspiegel: Übergewicht kann die Insulinempfindlichkeit beeinträchtigen und biologische Signalwege beeinflussen, die auch für das Zellwachstum relevant sind.

Diese Zusammenhänge helfen Wissenschaftlern zu verstehen, weshalb überschüssiges Körperfett das Risiko für verschiedene Krebsarten erhöhen kann.

Was zeigen aktuelle Studien?

Eine umfangreiche Analyse der American Cancer Society untersuchte den Einfluss verschiedener Risikofaktoren auf die Krebsentstehung in den USA.

Die Ergebnisse für Erwachsene ab 30 Jahren im Jahr 2019:

  • Rund 40 % der untersuchten Krebsneuerkrankungen waren rechnerisch auf potenziell beeinflussbare Risikofaktoren zurückzuführen.

  • Übergewicht war mit etwa 7,6 % der untersuchten Krebsneuerkrankungen verbunden.

  • Auch Alkoholkonsum und Bewegungsmangel gehörten zu den bedeutenden Risikofaktoren.

Die Ergebnisse verdeutlichen, welches Potenzial in der Vorbeugung durch einen gesundheitsbewussten Lebensstil liegt.

Gesunde Lebensgewohnheiten können das Krebsrisiko senken

Der World Cancer Research Fund veröffentlichte 2025 einen umfassenden Forschungsbericht über Ernährung, Lebensstil und Krebsprävention.

Die Auswertung von 86 Studien zu Darmkrebs und 84 wissenschaftlichen Veröffentlichungen zu Brustkrebs unterstreicht die Bedeutung eines gesunden Lebensstils.

Besonders relevant sind dabei:

  • Ein gesundes Körpergewicht

  • Regelmäßige körperliche Aktivität

  • Eine ballaststoffreiche Ernährung mit reichlich Gemüse und weiteren pflanzlichen Lebensmitteln

  • Ein geringer Konsum zuckerhaltiger Getränke und alkoholischer Getränke

Die Ergebnisse zeigen, dass das Zusammenspiel verschiedener gesunder Lebensgewohnheiten für die Krebsprävention von Bedeutung ist.

Wer langfristig auf sein Körpergewicht achtet, kann gleichzeitig wichtige Stoffwechselprozesse positiv beeinflussen.

Besonders hilfreich sind folgende Gewohnheiten:

  • Zucker reduzieren: Zuckerhaltige Getränke, Süßigkeiten und stark verarbeitete Lebensmittel möglichst selten konsumieren.

  • Ballaststoffreich essen: Gemüse, Hülsenfrüchte, Nüsse, Samen und Vollkornprodukte regelmäßig in den Speiseplan integrieren.

  • Bewusst mit Kohlenhydraten umgehen: Ballaststoffreiche Lebensmittel bevorzugen und stark raffinierte Kohlenhydrate wie Weißmehlprodukte reduzieren.

  • Regelmäßig bewegen: Spaziergänge, Radfahren oder andere körperliche Aktivitäten in den Alltag einbauen.

  • Langfristig ein gesundes Gewicht anstreben: Besonders eine übermäßige Ansammlung von Bauchfett vermeiden.

Eine ausgewogene, pflanzenbetonte Ernährung und regelmäßige Bewegung gehören zu den wissenschaftlich fundierten Empfehlungen der Krebsprävention.

Fazit: Ein gesunder Lebensstil ist eine wichtige Investition in die Zukunft

Aktuelle Forschungsergebnisse unterstreichen die Bedeutung eines gesunden Körpergewichts für die langfristige Gesundheit.

Besonders überschüssiges Bauchfett kann Stoffwechselprozesse beeinflussen, die mit der Entstehung bestimmter Krebserkrankungen zusammenhängen.

Eine bewusste Ernährung, regelmäßige Bewegung und ein langfristig gesundes Körpergewicht können dazu beitragen, das persönliche Krebsrisiko zu reduzieren.

Dabei kommt es nicht auf kurzfristige Diäten an, sondern auf gesunde Ernährungs- und Lebensgewohnheiten, die sich dauerhaft in den Alltag integrieren lassen.

Wissenschaftliche Quellen

1. Islami F. et al. (2024): Proportion and number of cancer cases and deaths attributable to potentially modifiable risk factors in the United States, 2019. CA: A Cancer Journal for Clinicians.

2. World Cancer Research Fund (2025): New major cancer prevention report on dietary and lifestyle patterns.

3. World Cancer Research Fund / American Institute for Cancer Research: Cancer Prevention Recommendations.

Anti-Aging aus der Traube

Resveratrol und Zellalterung: Was sagt die aktuelle Forschung?

Kann ein natürlicher Pflanzenstoff dazu beitragen, unsere Zellen länger gesund und funktionsfähig zu halten? Genau dieser Frage gehen Wissenschaftler seit vielen Jahren nach. Besonders im Fokus steht dabei Resveratrol – ein natürlicher Pflanzenstoff, der unter anderem in roten Weintrauben und Beeren vorkommt.

Die Forschung liefert interessante Hinweise darauf, dass Resveratrol wichtige biologische Prozesse beeinflussen kann, die mit der Zellalterung zusammenhängen.

Wie wirkt Resveratrol auf unsere Zellen?

Mit zunehmendem Alter verändern sich die Funktionen unserer Zellen. Sie reagieren weniger effizient auf Belastungen, und körpereigene Reparatur- und Stoffwechselprozesse können beeinträchtigt werden.

Resveratrol wird insbesondere wegen seiner möglichen Wirkung auf folgende Bereiche erforscht:

  • Zellschutz: Resveratrol besitzt antioxidative Eigenschaften und kann in experimentellen Untersuchungen Prozesse beeinflussen, die mit oxidativem Stress zusammenhängen.

  • Zellstoffwechsel: Der Pflanzenstoff wird im Zusammenhang mit wichtigen Signalwegen untersucht, die den Energiehaushalt und die Anpassungsfähigkeit unserer Zellen regulieren.

  • Gesundes Altern: Wissenschaftler erforschen, ob Resveratrol altersbedingte Veränderungen auf zellulärer Ebene positiv beeinflussen kann.

Besonders interessant ist dabei das Protein Sirtuin 1 (SIRT1), das an der Regulation des Zellstoffwechsels und verschiedener Stressreaktionen beteiligt ist. Resveratrol wird als möglicher Einflussfaktor auf diesen Signalweg untersucht.

Was zeigen aktuelle Studien?

Die Resveratrol-Forschung beschäftigt sich zunehmend mit der Frage, wie sich die Erkenntnisse aus experimentellen Untersuchungen auf den Menschen übertragen lassen.

Eine Metaanalyse aus dem Jahr 2025 untersuchte den Zusammenhang zwischen der Einnahme von Resveratrol und SIRT1 beim Menschen. Einzelne Teilanalysen lieferten Hinweise darauf, dass Dosierung und Einnahmedauer für die beobachteten Effekte eine Rolle spielen könnten. Insgesamt zeigte sich jedoch keine statistisch signifikante Veränderung der untersuchten SIRT1-Werte.

Eine umfassende wissenschaftliche Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2026 fasste darüber hinaus 45 systematische Reviews und Metaanalysen zusammen, die sich mit unterschiedlichen gesundheitlichen Wirkungen von Resveratrol beschäftigten.

Diese Forschungsarbeiten verdeutlichen, dass Resveratrol weiterhin ein interessantes Untersuchungsgebiet ist und seine möglichen Wirkungen auf den menschlichen Organismus differenziert erforscht werden.

Resveratrol-Quellen

  • Japanischer Staudenknöterich (Wurzel)

  • Rote und dunkle Weintrauben

  • Maulbeeren

  • Preiselbeeren

  • Cranberrys

  • Heidelbeeren

  • Erdnüsse und Erdnusskeimlinge

Fazit: Ein spannender Pflanzenstoff für die Altersforschung

Resveratrol steht seit Jahren im Mittelpunkt der Forschung rund um Zellgesundheit und gesundes Altern. Seine Wechselwirkungen mit wichtigen zellulären Signalwegen eröffnen interessante Möglichkeiten, altersbedingte Veränderungen besser zu verstehen.

Ob und in welchem Umfang Resveratrol den Alterungsprozess beim Menschen tatsächlich verlangsamen kann, wird weiterhin untersucht.

Fest steht: Resveratrol ist ein vielseitiger Pflanzenstoff, dessen Potenzial für die Zell- und Altersforschung noch längst nicht vollständig erforscht ist.

Wissenschaftliche Quellen

1. Mansouri et al. (2025): Impact of Resveratrol Supplementation on Human Sirtuin 1. Journal of the Academy of Nutrition and Dietetics.

2. Sun et al. (2026): Effects of resveratrol supplementation on multiple health outcomes: an umbrella review of systematic reviews and meta-analyses of randomized controlled trials. Nutrition Journal, 25, Artikel 63.

Augen auf beim Einkauf

Woran erkenne ich gute Lebensmittel?

„Fitness“, „Wellness“ oder „mit natürlichen Zutaten“: Verpackungen versprechen viel. Ob ein Produkt eine gute Wahl ist, zeigt sich jedoch nicht an seinem Namen oder einem Bild von Früchten. Entscheidend sind die Zutaten, die Nährwerte und der Platz des Lebensmittels in der gesamten Ernährung.

Dieser Artikel hilft,  Lebensmittel im Supermarkt schnell und realistisch zu vergleichen. Eine einzelne Zahl oder ein einzelnes Siegel macht kein Lebensmittel automatisch „gut“ oder „schlecht“ – manchmal lohnt sich ein Vergleich ähnlicher Produkte, etwa zweier Müslis, Joghurts oder Brotaufstriche.

Tipp 1: Werbung ist kein Nährwertprofil

Begriffe wie „Fit“, „Balance“, „Protein“, „natürlich“ oder „ohne Zuckerzusatz“ können Eigenschaften beschreiben, ersetzen aber keinen Blick auf die Rückseite der Verpackung. Auch eine Frucht auf der Vorderseite bedeutet nicht automatisch, dass viel Frucht enthalten ist.

Praktische Regel: Prüfen Sie zuerst Zutatenliste und Nährwerttabelle. Achten Sie bei Produkten mit einer hervorgehobenen Zutat – zum Beispiel Erdbeeren im Erdbeerjoghurt oder Haselnüssen in einer Creme – auf die Prozentangabe. Sie zeigt, wie viel davon tatsächlich enthalten ist.

Tipp 2: Zutatenliste richtig lesen

Zutaten stehen grundsätzlich in absteigender Reihenfolge ihres Gewichtsanteils zum Zeitpunkt der Herstellung. Was weit vorne steht, prägt das Produkt meist stärker als eine Zutat am Ende der Liste. Bei beworbenen oder im Produktnamen genannten Zutaten muss die Menge in vielen Fällen als Prozentangabe genannt werden.

Hilfreiche Fragen sind:

  • Stehen Vollkorn, Gemüse, Hülsenfrüchte, Nüsse oder andere gewünschte Zutaten weit vorne?
  • Wie viele Zutaten dienen vor allem dem Süßen, Salzen oder starken Verfeinern?
  • Sind Allergene für Sie oder andere Personen im Haushalt relevant? Sie sind in der Zutatenliste hervorgehoben.
  • Passt das Produkt zu Ihrem Alltag – etwa bei Zöliakie, Allergien, veganer Ernährung oder einer medizinisch empfohlenen Ernährungsweise?

Tipp 3: Nährwerte immer pro 100 g oder 100 ml vergleichen

Die verpflichtende Nährwertdeklaration nennt Energie, Fett, gesättigte Fettsäuren, Kohlenhydrate, Zucker, Eiweiß und Salz – in der Regel pro 100 g oder 100 ml. Genau diese Bezugsgröße eignet sich für einen fairen Vergleich. Freiwillige Portionsangaben können zusätzlich hilfreich sein, wenn die Portion realistisch ist; sie ersetzen den Vergleich pro 100 g bzw. 100 ml aber nicht.

Die Prozentangaben der Referenzmenge (% RM) beziehen sich auf einen durchschnittlichen Erwachsenen. Sie sind keine individuelle Empfehlung und passen beispielsweise nicht automatisch zu Kindern, älteren Menschen, sportlich sehr aktiven Personen oder Menschen mit Erkrankungen.

Worauf schauen? Gute Vergleichsfrage
Energie Liefert das Produkt für seinen Zweck viel Energie – etwa als Snack oder Getränk?
Zucker Wie viel Zucker enthält es im Vergleich zu ähnlichen Produkten?
Salz Ist der Salzgehalt im Vergleich eher niedrig? Gerade Brot, Käse, Wurst, Fertiggerichte und Snacks können viel beitragen.
Gesättigte Fettsäuren Ist der Anteil gegenüber vergleichbaren Produkten niedrig?
Ballaststoffe Enthält das Produkt durch Vollkorn, Hülsenfrüchte, Gemüse, Nüsse oder Samen nennenswert Ballaststoffe?

Als Orientierung empfiehlt die DGE Erwachsenen mindestens 30 g Ballaststoffe pro Tag und höchstens 6 g Speisesalz pro Tag. Diese Werte gelten für die Ernährung insgesamt – nicht als starre Grenze für jedes einzelne Lebensmittel.

Tipp 4: Zucker richtig einordnen – statt nach „verstecktem“ Zucker zu suchen

Zucker ist in der Zutatenliste nicht versteckt: zugesetzte Zutaten müssen benannt werden. Die vielen Bezeichnungen können die Einordnung aber erschweren. In der Nährwerttabelle bedeutet „davon Zucker“ die Summe aller Zucker im Produkt – auch natürlicherweise vorkommender Zucker, etwa aus Milch oder Obst. Sie zeigt nicht, wie viel Zucker zugesetzt wurde.

Häufige süßende Zutaten

Bezeichnung in der Zutatenliste Einordnung
Zucker, Saccharose, Glukose, Dextrose, Fruktose Zuckerarten; in der Ernährung insgesamt sparsam einsetzen.
Glukose-, Fruktose- oder Reissirup, Invertzuckersirup, Agavendicksaft Süßende Zutaten; „Sirup“ oder „Agave“ macht sie nicht automatisch günstiger.
Honig, Fruchtsaftkonzentrat, Dattelpaste, Trockenfrüchte Können ein Produkt süßen und Zucker beitragen; je nach Lebensmittel bringen sie zusätzlich Aromen oder Nährstoffe mit.
Erythrit, Xylit, Sorbit und andere Polyole Zuckeraustauschstoffe. Sie können bei größeren Mengen abführend wirken; der Hinweis ist dann auf der Packung vorgeschrieben.
Steviolglycoside, Sucralose, Acesulfam K u. a. Süßstoffe. Sie liefern meist keine oder kaum Energie, sind aber kein Freifahrtschein für eine insgesamt ausgewogene Ernährung.

Was bedeuten „zuckerarm“ und „zuckerfrei“?

Für diese Werbeaussagen gibt es in der EU feste Bedingungen:

Angabe auf der Packung Zulässig, wenn …
zuckerarm höchstens 5 g Zucker pro 100 g bei festen Lebensmitteln bzw. 2,5 g pro 100 ml bei Getränken enthalten sind.
zuckerfrei höchstens 0,5 g Zucker pro 100 g bzw. 100 ml enthalten sind.
ohne Zuckerzusatz keine Mono- oder Disaccharide und keine anderen wegen ihrer süßenden Wirkung verwendeten Lebensmittel zugesetzt wurden. Enthält das Produkt von Natur aus Zucker, muss darauf hingewiesen werden.

Tipp 5: Fettqualität und Salz mitbewerten

Fett ist kein Makel: Es liefert Energie und enthält essenzielle Fettsäuren. Für die Auswahl ist die Fettqualität meist wichtiger als die bloße Fettmenge. Bevorzugen Sie im Alltag vor allem ungesättigte Fettquellen wie Raps-, Oliven-, Walnuss- oder Leinöl sowie Nüsse und Samen. Häufige Quellen gesättigter Fettsäuren – etwa fettreiche Wurstwaren, Margarine oder Palmfett – sind eher etwas für kleinere Mengen.

„(Teil-)gehärtete Fette“ sind heute kein verlässlicher Schnelltest mehr. Für industriell erzeugte Transfette gilt in der EU ein Höchstgehalt von 2 g je 100 g Fett. Ein Blick auf die gesamte Zutatenliste und den Gehalt an gesättigten Fettsäuren bleibt trotzdem sinnvoll.

Palmöl ist nicht pauschal „giftig“ oder grundsätzlich zu meiden. Es enthält jedoch vergleichsweise viele gesättigte Fettsäuren; bei raffinierten pflanzlichen Ölen können zudem prozessbedingte Kontaminanten ein Thema sein. Für den Alltag sind Produkte mit überwiegend ungesättigten Ölen meist die günstigere Wahl. Wer auch die Umweltwirkung berücksichtigen möchte, kann zusätzlich auf glaubwürdige Nachhaltigkeitsinformationen und insgesamt wenig stark verarbeitete Alternativen achten.

Beim Salz lohnt sich der Vergleich besonders. Viel Salz stammt nicht nur aus dem Salzstreuer, sondern aus Brot und Backwaren, Käse, Wurst, Fertigprodukten, Saucen und Knabberartikeln. Wählen Sie innerhalb einer Produktgruppe häufiger die salzärmere Variante und würzen Sie zu Hause mit Kräutern und Gewürzen.

Tipp 6: Verarbeitungsgrad und Alltagstauglichkeit zählen

Ein gutes Lebensmittel muss nicht unverarbeitet sein: Tiefkühlgemüse, Naturjoghurt, Vollkornbrot, Hülsenfrüchte aus der Dose ohne viel Salz oder ungesalzene Nüsse können sehr praktische und gute Optionen sein. Kritisch wird es eher, wenn ein Produkt im Alltag vor allem viel Zucker, Salz, gesättigte Fette und Energie liefert, aber wenig sättigende oder nährstoffreiche Zutaten.

Eine alltagstaugliche Basis bilden vor allem Gemüse und Obst, Vollkorn, Hülsenfrüchte, Nüsse und Samen sowie pflanzliche Öle. Die aktuellen DGE-Empfehlungen betonen eine überwiegend pflanzliche Auswahl, mindestens fünf Portionen Obst und Gemüse täglich, regelmäßig Hülsenfrüchte und täglich eine kleine Portion Nüsse. Süßigkeiten, zuckerhaltige Getränke und salzige Snacks bleiben Genussmittel – nicht die Basis der Ernährung.

Tipp 7: Siegel sinnvoll nutzen

Auch Bio-, Fairtrade- oder Nachhaltigkeitssiegel beantworten unterschiedliche Fragen: Sie können Hinweise auf Anbau, Umwelt- oder Sozialstandards geben, sind aber kein vollständiges Urteil über den Gesundheitswert eines Lebensmittels. Prüfen Sie daher immer, wofür ein Siegel konkret steht.

Der 30-Sekunden-Check im Supermarkt

  1. Vergleichen Sie ähnliche Produkte pro 100 g oder 100 ml.
  2. Lesen Sie die ersten Zutaten und die Prozentangaben beworbener Zutaten.
  3. Achten Sie besonders auf Zucker, Salz, gesättigte Fettsäuren und Ballaststoffe.
  4. Wählen Sie häufiger Varianten mit Vollkorn, Gemüse, Hülsenfrüchten, Nüssen und ungesättigten Ölen.
  5. Nutzen Sie Siegel als Zusatzinformation, nicht als alleiniges Kriterium.

 

Hinweis

Dieser Beitrag bietet allgemeine Orientierung. Bei Diabetes, Zöliakie, Allergien, Nierenerkrankungen, Essstörungen oder anderen medizinischen Situationen sollten Sie individuelle Empfehlungen mit einer Ärztin, einem Arzt oder einer qualifizierten Ernährungsfachkraft abstimmen.

Quellen und weiterführende Informationen

D-Mannose in der Krebsforschung: Derzeitiger Stand der Wissenschaft

Im Fokus der modernen Krebsforschung steht vermehrt der veränderte Zuckerstoffwechsel von Tumorzellen. Da bösartige Gewebe für ihr Wachstum signifikant mehr Glukose benötigen als gesunde Zellen, suchen Wissenschaftler nach Wegen, diesen Stoffwechsel gezielt zu stören. Der Einfachzucker D-Mannose rückt dabei zunehmend in den Mittelpunkt präklinischer Untersuchungen.

Zuckerstoffwechsel und Tumorzellen

Bereits in den 1920er Jahren beschrieb Otto Warburg, dass viele Tumorzellen Glukose bevorzugt über den Weg der anaeroben Glykolyse verstoffwechseln. Da dieser Prozess im Vergleich zur Zellatmung weniger effizient ist, steigt der Glukosebedarf der Krebszellen drastisch an. Ein vollständiger Verzicht auf Glukose über die Nahrung ist jedoch nicht praktikabel, da auch gesundes Gewebe auf diesen Energieträger angewiesen ist.

Wirkungsweise von D-Mannose im Zellversuch

D-Mannose ist ein natürlich vorkommendes Monosaccharid (Hexose), das unter anderem in Früchten wie Preiselbeeren, Cranberrys oder Äpfeln sowie als Bestandteil von Zellmembranen vorkommt. Das biochemische Interesse erklärt sich wie folgt:

  • Transport und Aufnahme: D-Mannose wird von Zellen über ähnliche Transporter wie Glukose aufgenommen.

  • Hemmung der Glukoseverwertung: In Zellkultur- und Tiermodellen zeigte sich, dass eine hohe D-Mannose-Konzentration die Verwertung von Glukose in Tumorzellen beeinträchtigen kann, ohne die Energieversorgung von gesundem Gewebe im gleichen Ausmaß zu stören.

  • Verstärkung von Therapien: In Laboruntersuchungen führte die Gabe von Mannose bei bestimmten Tumorarten zu einer erhöhten Empfindlichkeit gegenüber Chemotherapeutika (z. B. Cisplatin, Doxorubicin, 5-Fluorouracil) sowie Strahlentherapien.

Aktuelle Forschungsergebnisse aus Labor und Tiermodell

Mehrere internationale Arbeitsgruppen haben in den letzten Jahren detaillierte Mechanismen beschrieben:

  • Tumorwachstum und Chemotherapie (2018): Eine Studie im Fachjournal Nature zeigte an Mäusen, dass die Gabe von Mannose das Wachstum verschiedener Tumorarten verlangsamen und die Wirkung von Chemotherapeutika verstärken konnte.

  • Immuntherapie bei Brustkrebs (2022): Im Fachmagazin PNAS beschrieb eine Forschungsgruppe, dass D-Mannose in Zell- und Tiermodellen von tripel-negativem Brustkrebs den Abbau des immununterdrückenden Moleküls PD-L1 fördern und dadurch die T-Zell-Aktivität unterstützen kann.

  • Darmgesundheit und Entzündungen (2018 / 2024): Neben Untersuchungen zu Krebserkrankungen existieren präklinische Studien (z. B. in Cell Reports und Food & Function), die Effekte von D-Mannose auf die Zusammensetzung der Darmmikrobiota sowie auf Entzündungsprozesse bei experimenteller Colitis im Tiermodell untersuchten.

Fazit

Präklinische Daten weisen darauf hin, dass D-Mannose ein interessanter Ansatzpunkt für ergänzende Therapiekonzepte sein könnte. Derzeit wird in weiteren wissenschaftlichen Studien geprüft, inwieweit sich diese Ergebnisse aus dem Labor auf den menschlichen Organismus übertragen lassen.

Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der neutralen Information über den aktuellen Stand der wissenschaftlichen Grundlagenforschung. Er stellt keine medizinische Empfehlung oder Behandlungsanweisung dar.

Quellen:

Gonzalez, P. S., et al. (2018). Mannose impairs tumour growth and enhances chemotherapy. Nature, 563, 719–723.

Harada, Y., et al. (2023). Metabolic clogging of mannose triggers dNTP loss and genomic instability in human cancer cells. eLife, 12, e83870.

Zhang, R., et al. (2022). D-mannose facilitates immunotherapy and radiotherapy of triple-negative breast cancer via degradation of PD-L1. PNAS, 119(52), e2114851119.

Al Hadeethi, S., et al. (2023). Mannose Inhibits the Pentose Phosphate Pathway in Colorectal Cancer and Enhances Sensitivity to 5-Fluorouracil Therapy. Cancers, 15(8), 2268

Luo, H., et al. (2022). Mannose enhances the radio-sensitivity of esophageal squamous cell carcinoma. Discovery Oncology, 13, 1.

Sharma, V., et al. (2018). Mannose Alters Gut Microbiome, Prevents Diet-Induced Obesity, and Improves Host Metabolism. Cell Reports, 24(12), 3087–3098.

Zhang, H., et al. (2024). D-Mannose promotes recovery from experimental colitis by inducing AMPK phosphorylation. Food & Function, 15. 8.

Lieu, E. L., et al. (2021). Fructose and Mannose in Inborn Errors of Metabolism and Cancer. Metabolites, 11(8), 479. 9.

Nan, F., et al. (2022). Mannose: A Sweet Option in the Treatment of Cancer and Inflammation. Frontiers in Pharmacology, 13, 877543.

Vitamin D während der Neoadjuvanten Chemotherapie bei Brustkrebs: Ergebnisse einer randomisierten klinischen Studie

Eine im Jahr 2025 im World Journal of Surgery veröffentlichte prospective, randomisierte klinische Studie untersuchte erstmals den Einfluss einer gezielten, hochdosierten Vitamin-D3-Einnahme während einer neoadjuvanten Chemo- bzw. Systemtherapie (NST) bei Brustkrebspatientinnen.

Medizinischer Hintergrund: Was bedeutet „Pathologische Vollremission“ (pCR)?

Bei einer neoadjuvanten Systemtherapie (NST) erhalten Patientinnen die medikamentöse Behandlung (z. B. Chemotherapie) vor der geplanten Operation, um den Tumor zu verkleinern.

Das primäre Ziel dieser Behandlung ist das Erreichen einer sogenannten pathologischen Vollremission (pCR). Von einer pCR spricht man, wenn bei der anschließenden Operation mikroskopisch keine aktiven invasiven Krebszellen mehr im entfernten Brustgewebe und in den Lymphknoten nachweisbar sind. Das Erreichen einer pCR gilt in der Onkologie als wichtiger Indikator für eine deutlich verbesserte Langzeitüberlebensrate.

Studiendesign und Methodik

Die Studie wurde zwischen Juni 2019 und Juni 2023 am Istanbul Florence Nightingale Hospital durchgeführt:

  • Teilnehmende: Insgesamt 227 Brustkrebspatientinnen im Alter von 24 bis 74 Jahren, die eine neoadjuvante Therapie erhielten.

  • Studiengruppe (n = 114): Erhielt während der gesamten Dauer der Therapie zusätzlich einmal wöchentlich oral 50.000 IE Vitamin D3 (Cholecalciferol).

  • Kontrollgruppe (n = 113): Erhielt die Standardtherapie ohne Vitamin-D-Supplementierung.

  • Messung: Der Vitamin-D-Spiegel im Blut (25(OH)D) wurde bei allen Patientinnen exakt vor Beginn sowie nach Abschluss der neoadjuvanten Therapie gemessen.

Die zentralen Studienergebnisse im Detail

1. Signifikant höhere Rate an pathologischen Vollremissionen (pCR)

In der primären Auswertung zeigte sich ein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den beiden Gruppen:

  • Mit Vitamin D3: 39,5 % der Patientinnen (45 von 114) erreichten eine pathologische Vollremission.

  • Ohne Vitamin D3: 16,8 % der Patientinnen (19 von 113) erreichten eine pCR.

In der multivariaten Analyse – bei der störende Einflussfaktoren wie Alter, Tumorstadium und Hormonrezeptorstatus statistisch herausgerechnet wurden – zeigte sich, dass die Einnahme von Vitamin D3 die Wahrscheinlichkeit für das Erreichen einer pCR mehr als verdoppelte (Odds Ratio: 2,33)

2. Differenzierte Betrachtung nach Tumoreigenschaften

Die Detailanalyse ergab, dass die Vitamin-D-Gabe in bestimmten Subgruppen besonders deutliche Effekte zeigte:

  • Tumore mit hoher Teilungsrate: Hier verbesserte die Vitamin-D-Gabe die pCR-Rate signifikant. Bei Tumoren mit niedriger Teilungsrate war dieser Effekt statistisch nicht signifikant.

  • Hormonrezeptor-negative Tumore sowie HER2-positive / Tripel-negative Tumore: In beiden Subgruppen führte die Vitamin-D-Einnahme zu einer signifikanten Erhöhung der Remissionsraten.

3. Befund in den Achsellymphknoten (Axilläre pCR)

Bei Patientinnen, bei denen vor der Therapie ein Befall der Achsellymphknoten festgestellt worden war (n = 197), lag die Befundfreiheit der Lymphknoten nach der Therapie in der Vitamin-D-Gruppe bei 42,7 % gegenüber 30,9 % in der Kontrollgruppe. Dieser Trend verfehlte knapp die statistische Signifikanzschwelle (p = 0,085), weist jedoch auf eine positive Tendenz hin.

4. Brusterhaltende Operationen & Überlebensraten

  • Brusterhaltende Eingriffe: Patientinnen der Studiengruppe konnten signifikant häufiger brusterhaltend operiert werden (Lumpektomie: 64,8 % vs. 46,0 %; p = 0,001).

  • 5-Jahres-Gesamtüberleben: In der Vitamin-D-Gruppe lag die 5-Jahres-Überlebensrate bei 86,1 % verglichen mit 78,4 %  in der Kontrollgruppe. Dieser Unterschied zeigte eine positive Tendenz, erreichte jedoch aufgrund der Gruppengröße und Nachbeobachtungszeit noch keine statistische Signifikanz (p = 0,06).

5. Verträglichkeit und Sicherheit

Während des Studienzeitraums wurden in keiner der beiden Gruppen unerwünschte Nebenwirkungen oder Vergiftungserscheinungen (Hyperkalzämie) durch die hochdosierte wöchentliche Vitamin-D-Gabe beobachtet.

Mögliche Wirkmechanismen

Labor- und Tierstudien legen nahe, dass Vitamin D3 (bzw. seine aktive Form Calcitriol) Tumorzellen empfindlicher für Chemotherapeutika (wie Anthracycline oder Taxane) macht. Zu den vermuteten Zellmechanismen gehören:

  • Förderung des programmierten Zelltods (Apoptose) in Krebszellen.

  • Hemmung von Zellteilung, Tumorwachstum und Gefäßneubildung (Angiogenese).

  • Gezielte Beeinflussung von Brustkrebs-Stammzellen.

Wichtiger Hinweis zur Interpretation (Rechtliche Einordnung)

Bei dieser Untersuchung handelt es sich um eine Erststudie an einem einzelnen Zentrum (227 Probandinnen). Die Autorinnen und Autoren betonen, dass Multizenterstudien mit größeren Patientenzahlen notwendig sind, um diese Ergebnisse zu bestätigen und genaue Dosierungsempfehlungen abzuleiten.

Wichtiger Hinweis: Vitamin D ist kein eigenständiges Heilmittel gegen Krebs, sondern wurde in dieser Studie ausschließlich begleitend zu einer medizinisch indizierten Chemotherapie unter ärztlicher Kontrolle untersucht. Eine Einnahme hochdosierter Präparate sollte stets in Absprache mit dem behandelnden Onkologen erfolgen.

Quelle:

Vitamin D Supplementation During Neoadjuvant Chemotherapy for Breast Cancer Improves Pathological Complete Response: A Prospective Randomized Clinical Trial: https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/wjs.12587

Vitamin D und Stoffwechselgesundheit: Wie ein Mangel das Risiko für das Metabolische Syndrom beeinflusst

Das Thema Vitamin D steht seit Jahren im Fokus der Ernährungs- und Stoffwechselforschung. Eine Studie aus Mailand (Nutrients, 2023) untersuchte den Zusammenhang zwischen dem Vitamin-D-Spiegel im Blut und dem Auftreten des Metabolischen Syndroms bei berufstätigen Erwachsenen mit Übergewicht oder Adipositas.

Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung einer ausreichenden Vitamin-D-Versorgung für das Stoffwechselsystem.

Hintergrund: Was ist das Metabolische Syndrom?

Als Metabolisches Syndrom wird eine Kombination aus verschiedenen Risikofaktoren bezeichnet, die gemeinsam das Risiko für Herzkreislauferkrankungen und Typ-2-Diabetes stark erhöhen. Dazu gehören:

  • Erhöhter Bauchumfang (zentrale Fettansammlung)

  • Bluthochdruck

  • Erhöhte Blutzuckerwerte (oder Insulinresistenz)

  • Ungünstige Blutfettwerte (hohe Triglyceride, niedriges HDL-Cholesterin)

Das Syndrom gilt weltweit als eine der häufigsten Ursachen für chronische Stoffwechselstörungen.

Die Studie auf einen Blick

Im Rahmen der Untersuchung der Adipositas- und Arbeitsmedizin-Klinik der Fondazione IRCCS Ca’ Granda in Mailand wurden 879 erwerbstätige Erwachsene analysiert.

  • Teilnehmende: Erwachsene im erwerbsfähigen Alter (durchschnittlich 45 Jahre) mit Übergewicht oder Adipositas.

  • Vergleichsgruppen: 316 Personen mit diagnostiziertem Metabolischen Syndrom im Vergleich zu 563 Personen ohne Metabolisches Syndrom.

  • Erfassung: Messung des Vitamin-D-Spiegels (25-OH-Vitamin D) im Blut sowie Erfassung von Alter, Geschlecht, Body-Mass-Index (BMI) und körperlicher Freizeitaktivität.

Die zentralen Ergebnisse

  1. Weit verbreiteter Mangel: Nur knapp 9 % der untersuchten Personen wiesen einen optimalen Vitamin-D-Spiegel (ab 30 ng/mL) auf. Über 80 % zeigten unzureichende oder stark defizitäre Werte.

  2. Halbiertes Risiko bei ausreichenden Werten: Personen mit einem Vitamin-D-Spiegel von mindestens 20 ng/mL wiesen ein um rund 50 % geringeres Risiko auf, an einem Metabolischen Syndrom zu leiden, als Personen mit einem schweren Mangel (unter 10 ng/mL).

  3. Unabhängig vom Körpergewicht: Der schützende Zusammenhang blieb auch bestehen, nachdem der Einfluss von Alter, Geschlecht, Bewegung und dem Body-Mass-Index (BMI) statistisch herausgerechnet wurde.

Warum beeinflusst Vitamin D den Stoffwechsel?

Vitamin D wirkt im Körper wie ein Prohormon und beeinflusst zahlreiche Zellfunktionen. Im Zusammenhang mit dem Metabolischen Syndrom spielen folgende Mechanismen eine Rolle:

  • Insulinausschüttung und -empfindlichkeit: Vitamin-D-Rezeptoren befinden sich unter anderem in den Bauspeicheldrüsenzellen. Ein Mangel kann die Insulinproduktion und die Glukoseaufnahme in die Zellen beeinträchtigen.

  • Entzündungsprozesse: Das Vitamin trägt zur Regulierung von Entzündungsmarkern bei, die bei Übergewicht häufig erhöht sind.

  • Blutdruckregulierung: Vitamin D nimmt Einfluss auf die Gefäßgesundheit und das Renin-Angiotensin-System, das den Blutdruck steuert.

Fazit und Praxistipps

Gerade bei Personen, die vorwiegend in Innenräumen arbeiten und ein höheres Körpergewicht aufweisen, tritt ein Vitamin-D-Mangel häufig auf. Da Fettgewebe Vitamin D speichern kann, steht es dem Blutkreislauf oft weniger frei zur Verfügung.

Erkenntnisse für die Praxis:

  • Regelmäßige Kontrolle: Bei Vorliegen von Stoffwechselrisiken oder höherem Körpergewicht ist die Bestimmung des Vitamin-D-Spiegels im Blut sinnvoll.

  • Gezielte Ergänzung: Bei festgestelltem Mangel kann eine gezielte Supplementierung nach Rücksprache mit Fachpersonal unterstützen, um wieder optimale Blutwerte zu erreichen.

  • Sonnenexposition & Bewegung: Aufenthalt an der frischen Luft stärkt nicht nur die körpereigene Vitamin-D-Synthese, sondern fördert auch die allgemeine Stoffwechselgesundheit.

Grafik zu Vitamin D und Stoffwechsel

 

Quelle:

Vigna, L.; Speciani, M.C.; Tirelli, A.S.; Bravi, F.; La Vecchia, C.; Conte, C.; Gori, F. Vitamin D and Metabolic Syndrome in Working Age Subjects from an Obesity Clinic. Nutrients2023,15,4354. https://www.mdpi.com/2072-6643/15/20/4354